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Jeschurun · 1856-06-01 · Heft 9 (Juni 1856) · p. 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 9 (Juni 1856)
Article
Jüdische dramatische Dichter in Spanien
Date
1856-06-01
Page
489 (sequence 6)
Language
German
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Von Di. M. Kayftrling. 489 Bärtiger Rabbi, der du immer studirtest Den Talmud und seine Doktoren, Der du um Wahrheit immer dich kümmertest Um derentwillen du zu Müh und Schmerz bist erkoren. — Rasch jetzt herbei — zu den Tänzern, Und gieb statt Vergeltung deinen Segen — Du allein ruhst gewiß in Rabbi Aßa's Schooß. Rabbi Santob's Todtentanz, aus welchem einzelne Proben mttzutheileu wir nicht für überflüssig hielten, ist aus der umfassenden Literatur der Todenkränze der älteste, welcher aus irgend einer Sprache auf uns gekommen ist. Der Dichter liefert uns hier ein großes Gemälde, dessen Ganzes einen tiefen Blick in die damaligen Cultur- und Staatszustände Spaniens eröffnet — er hat die Personen mit Hellen, lichten Farben aufgetragen und ihnen ein ähnliches Colorit, wie viele andere Dichter seiner Zeit gegeben. Nachdem die Tanzenden ihre Klagen beendet und den Entschluß gefaßt Haben, sich dem unerbittlichen Tode willig zu ergeben, versucht der Dichter, sie zur Besserung und zur Reue über ihre frühern Laster zu führen und hält ihnen ihre Vergehen und Fehler, wie sie gerade dem Stande eigen zu sein pflegen, vor. Weder Kaiser noch König, weder Papst noch Erzbischof, — auch diese sind keine Engel, sondern sterbliche, sündhafte Menschen — läßt er in das Todtenretch etnziehen, ohne ihnen ein Wort über das ihnen und Anderen zum Verderben gereichende Erdenleben zu sagen. Dem einen wirft er Geiz, dem Andern Gefräßigkeit und Völlerei vor, bei dem Einen rügt er die Bedrückung eines armen Volkes, bei dem Auder» spricht er sich über strenge Fasten aus, an welchen allerdings kein Fleisch, alle Ftscharten aber in so verschiedenen Zubereitungen genossen werden, daß er zurückschrickt mit einer Aufzählung auch nur zu beginnen. In diesen Moral- und Strafpredigten, welche in feierlichem und doch dabei derb humoristischem Style abgefaßt sind, zeigt sich eine Fretmüthigkeit, die keine Schonung kennt und dem Juden des 14. Jahrhunderts alle Ehre macht. Hören wir seine Anrede an den Abt : Heiliger, gebenedeiter — lasterhafter Abt! Wenig Sorge hast für das Himmelreich du getragen, Die Freude hast du umarmt, mit den Frauen gescherzt,

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