Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 488 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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488 III. R. Santob de Carrion. vor, und ladet sie Alle ein, an dem allgemeinen Tanz Thcil zu nehmen. Der Pabst, der die Schlüssel zum Himmel führt und zuerst in daS Himmelreich etngehen soll, verläßt seinen Stuhl, wird von den Todesqualen ergriffen, erhebt ein gräßliches Zetergeschrei und eröffnet den Tanz mit folgenden Worten: Ich Elender! Die Spitze des Glanzes habe ich erstiegen, Kaiser und Könige könnt' durch mein Wort ich besiegen — Wer rettet mich aus der Todesangst? Ehren und Würden mögen von mir ziehen, Könnt' ich nur dem finstern Tod entfliehen! Dieser höhen Person folgen alle übrigen Würdenträger und Machthaber — alle müssen dem Gencraltanz sich anschließen. Da kommt ein noch Krön' und Septer tragender Kaiser, ein König, ein Patriarch, ein Herzog, ein tvohlbctcibter Erzbischof, ein Eonnetable, ein Bischof mit der hohen Mütze, ein in der Blüthe seines Alters stehender Cavalter, kurz alle Klassen der staatlichen Gesellschast müssen tanzen, müssen der Natur den Tanz weihen, dessen Musik Niemand verstehen will. Als letzte Person drängt sich endlich auch ein bärtiger,, ehrwürdiger Rabbi durch die mit Geheul schon tanzende Menge, begleitet von einem Alfakt, einem maurischen Priester. Auch der Rabbi klagt, aber in der stillen, ruhigen Ergebenheit, die dem gläubigen Juden auch in der härtesten Prüfung Trost und Beruhigung gewährt. Er klagt nicht über die Nothwendigkeit, die Erde verlassen zu müssen, bedauert nicht seine irdischen Schätze und Güter — hat ein Rabbi wohl Schätze und Güter? — sondern wendet sich zu seinem Gotte und flehet zu ihm und weint und betet: O, Gott, Gott, Gott Abraham's . Gieb die Verheißung, die du mir verheißen, Wie könnt' ich sonst vor deinem Richterstuhl erscheinen? Muß auch nun tanzen ohne den Takt zu verstehen. Aber ihr ehrwürdigen- Herren, Wie könnt ihr so der Betrübniß euch überlassen Wo es doch gilt aus dem Jammerthal zu weichen. An den ehrwürdigen frommen Rabbi wendet der Tod sich endlich und spricht: