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Jeschurun · 1856-06-01 · Heft 9 (Juni 1856) · p. 487

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Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 9 (Juni 1856)
Article
Jüdische dramatische Dichter in Spanien
Date
1856-06-01
Page
487 (sequence 4)
Language
German
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Von Dr. M. Kayserling. 487 Statt jeder besonderen Empfehlung fügt der Marquis folgenden, seine Gesinnung zu sehr verrathendcn Vers hinzu: Die Rose ist nicht weniger schön Weil auf dem Dorn sie wuchs, Nicht die Lehren weniger wahr Weil sie der Jud' uns gibt. ׳ Das Lob Santillana's ist noch um so höher auzuschlagen, als seine Zeit gerade eine an Dichtern und großen Geistern sehr reiche war, und sein Urtheil erscheint desto glaubwürdiger als eben dieser Marquis, als Dichter unter dem Namen Don Copez de Mendoza allgemein bekannt, außer durch seine vortrefflichen Dichtungen auch noch besonders dadurch sich auszctchnete, daß er einen ans Unglaubliche grenzenden Haß nicht allein gegen die Juden hegte, welche ihrer Religion und den Gesehen treu blieben, sondern auch mit Hintansetzung aller Menschlichkeit diejenigen zu verfolgen nicht unterließ, welche seiner Beredungskunst zum Opfer fielen und ihrem väterlichen Glauben öffentlich entsagten. Geben nun auch spätere spanische Literar - Historiker, wie Sanchez, Castro in seiner Bibliotheca, Moralin u. A. R- Santob das Zeuguiß, Vortreffliches geleistet zu haben, so suchen sie doch sein Verdienst dadurch zu schmälern, daß sie ihn zu gern zum Abtrünnigen und — was bei den frommen Spaniern gar nicht überrascht — zum Christen machen wollen. In dieser Behauptung stützen sie sich auf sein herrliches Drama ״der Todtentanz", dessen Charakteristik wir hier in Kürze sogleich folgen lassen werden. Neuere spanische Liberatoren find von dem Wahne jedes Lob und jede Größe den Inden abzusprechen, endlich abgekommen, und lassen den Juden Santob — einen Juden sein; jeder dec niit unbefangenem Auge die Werke dieses Mannes betrachtet, gibt auch freiwillig zu, daß S. niemals von seinem Judenthiune wich und nie aufhorte, für seine Glaubeusbrüder durch Wort und That wirksam zu sein. Der Todtentauz, auch Geueraltanz genannt, ist ein großes, in Form und Anlegung wunderbares, und dem darin herrschenden Geiste nach, das merkwürdigste historisch-politische Drama, welches ans dem 14. Jahrhundert aus uns gekommen ist. Der Dichter ruft im Anfänge alle Classen der Menschheit, alle Stanbgeborenen von ihren sündhaften Wegen zurück, hält ihnen das Bild des Todes

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