Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 486 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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486 III. R. Santob de Carrion. der wandernden Künstler aus sich zieht — sie befindet sich gegenwärtig in dem Besitz des S. Juan's Ordens und führt den sonderbaren, für Gebäude und Zeit dcr Aufführung so charakteristischen Namen: Transite, ״Uebergang". Ja diese Zeit bildet wahrlich den Uebergang von einigen glückliche» Jahrzehnten zu martervolle», von den Flammen der stets lodernden Scheiterhaufen erleuchteten Jahr- Hunderten. Welche geistige Thätigkett auf dem Gebiete der Wissenschaft entfalteten die Juden Spaniens in diesen wenigen glücklichen Jahren bürgerlicher Erhebung! Da treffen wir die Juristen R. Joseph Metotitvlah und R. David ben Gedaljah Jachia, auch als Commentatorcn des Talmuds berühmt, da blühte derMcdictner Quesdras Bidal, und per bekannte Philosoph und Astronom R. David Abudraham entwarf in dieser Zeit seine astronomischen Tabellen. Diesen Männern, deren Werke und Leistungen ihre Unsterblichkeit sichern, reiht sich R. Santob de Carrion, der Troubadour dcö 14. Jahrhnnderts, würdig an. Rabbi Santob — aus einer Zusammenziehung seines eigcntltchcn Namens Schemtob so genannt — wurde im Anfänge des 14. Jahrhunderts in Carrion de los Condes, einer kleinen Stadt Alt - Eastiliens, von armen Eltern geboren.. Er war nächst dem Neophiten Abirer, dessen, seine früheren Glaubensgenossen anschwärzenden Schriften, auf welche wir zu einer andern Zeit zurückkvmmen, sich in den dicken Mauern des Benediktinerklostcrs zu Valladolid eng verschlossen finden, der erste jüdische Schriftsteller, welcher die romanische Literatur mit dramatischen Produktionen bereicherte und neben dem Erzpriester von Hita, Perez Copes de Ahala «. A. an dem Wettlanf thcilnahm und im Vertrauen auf sein Genie sich von diesen Großen nicht abschrecken ließ, um die Säugerpalme mit ihnen zu streiten. Ihm, dem Juden von Carrion, wurde auch freiwillig der Lorbeer zucrkannt und er der ausgezeichnetste Dichter, der Troubadour des Jahrhunderts nicht ohne Grund genannt. Die älteste Notiz über den Juden von Carrion findet sich in einem Briefe des wohlbekannten Marquis von Santillana an den Connetable von Portugal. In diesem heißt cs: ״Ich traf auf einen Juden, welcher sich R. Santob nannte und viele gute Dinge, unter andern ein Drama, moralische Sprüchwvrter, wahrlich treffliche Sentenzen schrieb. Ich erkläre ihn für einen großen Troubadour."