Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 485 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Dr. M. Kayftrling. 485 gegen dasselbe dekretirten Verfolgungen zum Trotz sich auf dem ganzen Erdball auszubreiten, die Unbill aller Nationen zu ertragen und dabet sein Geistesleben stets frisch, stets wach zu erhalten. Sowohl Proben der unmenschlichsten Verfolgungen, als auch der von jeher bewunderten geistigen Thättgkeit der Juden liefert uns Spanten. Dort blühte zuerst eine gründliche Talmudgelehrsamkeit, Philosophie und Astronomie ward dort von den Juden anf's Fruchtbarste angebaut, ja letztere lag ganz in ihren Händen — und Gedichte in der heiligen Sprache, welche als theures Erbstück der Vergangenheit das eigentliche Erkennungszeichen und Bindemittel der Zerstreuten bildete, erschallten dort zuerst aus der beklommenen Brust. Die meisten der in unseren Synagogen noch heute Gottes Lob und seine Große verkündenden Gesänge sind auf spanischem Boden entstanden: Gabirol, Jehuda Halevi, Moses ben Esra und wie sie alle heißen die Koryphäen jüdischer Dichtung, lieferten Lieder vollendeter Schönheit, schöne, wunderbare, das Gemüth zur Andacht weckende Gebete. Wie früh aber die Juden Spaniens auch in weltlicher Dichtung sich versuchten, welchen Einfluß auch die weltliche Poesie auf diese so selten zu fröhlichen Liedern gestimmte Nation übte, wollen wir hier an einem Manne zeigen, welchem es beschieden war in einer glücklicheren Zeit zu leben, als viele seiner dichtenden Glaubensbrüder, in einer Zeit, wo die von den Spaniern mit unübertroffener Meisterschaft getriebene Kunst des Marternd noch nicht erfunden war. Es war in der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Peter, wegen seiner Begünstigung der Juden von den frommen Christen und unschuldigen Klosterbrüdern ״der Grausame" genannt, saß auf dem castiliautschen Thron, der durch Macht und Retchthum, auch durch sein tragisches Ende berühmt gewordene Samuel Levi war sein Ftnanzminister, sein geheimer Rath bestand aus Juden, und einige Historiker schreiben — natürlicher Weise — den Mord seiner unzüchtigen, der hohen Geistlichkeit gefallenden Gemahlin ebenfalls den Juden zu. Doch hiervon ein anderes Mal. In Toledo, welches damals noch 200000 Einwohner , darunter gegen 30000 Juden zählte, erhob sich während der Regierungszett dieses judenfreundlichen Peter's die prächtigste Synagoge Spaniens, deren Bauart und Skulptur noch heute die Aufmerksamkeit und Bewunderung so*