Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Zweiter Bericht des Unterstützungscomité's zu Amsterdam über die bis jetzt für die von Hunger bedrängten nothleidenden Glaubensbrüder in Palästina bei demselben eingegeangenen Spenden und deren Verwe
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 464 (sequence 6)
- Language
- German
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410 es zum Blutvergießen gekommen sein. Ueberhaupt gibt es in der Le-- vante keine Bevölkerung die von bittererm Hasse gegen die Juden erfüllt, fanatischer, blutdürstiger und zu gleicher Zeit von niedriger Verschlagenheit, und mehr moralisch verderbt wäre, als eben diese Griechen — dieser Ueberrest eines Volkes das. einst so in Wahrheit groß war — eines Volkes, das die Wiege der Civilisation, der Kunst und Wissenschaft gewesen die unerschöpfliche Quelle alles Edlen, Erhabenen und Schönen. Dies darf indessen nicht in einem zu allgemeinen Sinne genommen werden; wir wissen am besten, wie ungerecht eS ist, von einzelnen In-- dividuen auf ganze Körperschaften schließen zu wollen. Ich bin im Laufe meines Lebens mit Söhnen Hellas bekannt geworden , die in die Reihen der edelsten Männer gezählt werden konnten. Aber es ist eine ausgemachte Thaisache, daß solche unselige Elemente von Intoleranz, Fanatismus, Bestechlichkeit, Mißbrauch und moralischer Verworfenheit, denen man so oft in den Fürstenthümern begegnet, dorthin durch solche nordische Nachbaren und andere die vom Norden kommen hereingebracht sind. Solche moralische Gebrechen find dem röm. Volke nicht eigen» Lhümlich. Wir kommen jetzt zu der Lage der Juden Ln der Walachei. Sie sind bei weitem weniger zahlreich als in der Moldau. Nur in wenigen großen Städten wie Bucharest, Ploeschtic, Kraiovo, Braila, sind einigermaßen große Gemeinden. In Bucharest z. B. belaufen sich alle jüd. Gemeinden zusammengenommen vielleicht auf 1000 Familien. Gewiß ist, daß die Anzahl der Juden in der Walachei sehr gering ist. Freilich ist die Kunde von ihnen in der,Walachei von weit späterem Datum als von den Juden in der Moldau: Vor 280 Jahren soll sich in der Moldau kein einziger polnischer oder deutscher Jude befunden haben und ein Jahrhundert rückwärts war keiner von den jetzt genannten Spanischen oder Portugiesischen Juden in diesem Lande. ' Wiewohl, wie schon bemerkt, in der Walachei viel weniger Juden sind als in der Moldau, so findet sich in dem jüdischen Kreise ein neues Element, das weder in der Moldau noch in Polen vorhanden ist, wir meinen die portugiesischen oder spanischen Juden. Spricht man von den Juden in der Walachei, so muß man einen Unterschied zwischen den polnischen u. spanischen (portugiesischen) Juden machen. Wir sprechen von den Letzteren, als den weniger, zahlreichen, zuerst. Die portugiesischen Juden, die gegenwärtig in der Walachei sind, sind von dem Osten eingewandert. Der. größte Theil von ihnen ist jenseits der Donau aus den Provinzen, der europäischen Türkei, (Konstantinopel, Adrianopel, Salonichi, Widdin, Rustschnck, Silistna, Varna, Belgrad und andern Städten in Bulgarien und Serbien), einige indessen sind ursprünglich aus der eigentlichen Levante (Semprona, Jerusalem, DamaScuS re.). — Beinahe Alle sind in dieses Land im Laufe des letzten Jahrhunderts gekommen und die Einwanderung dauert noch jetzt