Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Zweiter Bericht des Unterstützungscomité's zu Amsterdam über die bis jetzt für die von Hunger bedrängten nothleidenden Glaubensbrüder in Palästina bei demselben eingegeangenen Spenden und deren Verwe
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 465 (sequence 7)
- Language
- German
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beständig fort. Denn im Ganzen Haben sich die Juden in den Fürsten-׳ thümern, wo große commercielle Quellen vorhanden sind, wo sie unabhängig leben, ihre Person und Eigenthum geschützt ist, immer bester befunderu, als in früheren Zeiten unter den sogenannten türkischen Paschaliks. Türkei Die י Juden in Konstantinopel waren im Monate Februar in Gefahr, das Opfer eines jener unseligen Beschuldigungen und Verleumdüngen zu werden, die im Mittelalter so viel Unheil und so viele Verfolgungen über sie gebracht. Gott sei Dank stellte sich die Wahrheit sehr bald heraus und ist so für die Juden die Gefahr bald abgewendet worden; es ist aber ein bedauerliches Zeichen, daß noch jetzt solche unsinnigen Beschuldigungen und Vorurtheile alle die Gefahren einer finstern Zeit über die Häupter der Juden herauf zu beschwören im Stande sind, und daß es nur eines geringen Anstoßes bedarf um den Haß des Pöbels wieder in volle Flammen zu setzen. Einem uns von Hrn. Albert Cohen zngekommenen Schreiben aus Konstantinopel entnehmen wir den folgenden Sachverhalt: Am 21 Februar hatte sich plötzlich in der Stadt das alte Gerücht verbreitet ein Kind sei von den Juden aufgesängen und getödtet worden um sich seines Blutes zur Bereitung der Mazoth zu bedienen. Diese erste Nachricht reichte schon hin um ganze Schaaren von Griechen, Armeniern und Türken gegen das Haus in Bewegung zu setzen, wo das angebliche Verbrechen verübt sein sollte. Sie mißhanbeiten jeden Juden der vorbei ging, schrien, stuchten, warfen Steine gegen das Haus, kurz begingen die ärgsten Ercesse. Am andern Morgen wiederholte sich dasselbe, einige Juden die ihren bedrohten Glaubensgenossen zu Hülfe kommen wollten, gelang es nicht dem wüthenden Pöbel Einhalt zu thun. Unglücklicher Weise wurden diese Frevel an einem Freitag begangen, an welchem alle Büreaus der h. Pforte geschloffen sind. Durch Vermittelung des Lord Canning und des französischen Gesandten fand ein Einschreiten eines höheren Beamten des Polizei-Ministeriums statt, und ergab ein von demselben angestelltes Verhör Folgendes: Zwei türkische Frauen waren am Donnerstag, Morgens 11 Uhr zu einer jüdischen Hebamme gekommen, um sie in einer Krankheit um Rath zu fragen. Beim Weggehen vermißte die Eine ihr Kind, das sie, wie sie sagte, an der Thüre gelassen hatte um sie zu erwarten. ״Ich habe mein Kind an der Thüre gelassen; es ist nicht mehr da; die Juden haben es genommen um es Ostern zu essen." Mit diesem unsinnigen Geschrei liefen die Frauen durch die Straßen, rektamirten die Polizei, brachten das ganze Stadtviertel in Aufruhr, und 6 Israeliten wurden eingezogen. Der Ministerialbeamte ließ sofort die türkische Frau verhaften, die gefangenen Israeliten frei geben, und nach dem verlorenen Kinde suchen, welches auch Nachmittags 4 Uhr in dem Hause eines Verwandten wiedergefanden wurde. Die türkische Familie und die Anführer der