Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Zweiter Bericht des Unterstützungscomité's zu Amsterdam über die bis jetzt für die von Hunger bedrängten nothleidenden Glaubensbrüder in Palästina bei demselben eingegeangenen Spenden und deren Verwe
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 463 (sequence 5)
- Language
- German
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409 sich bis jetzt nirgends Spuren gesunden, daß sie je zu solchen zugelassen worden sind, nicht einmal in dem einzigen Fache, worin es hatte vielleicht sein können im medicinischen; wir haben bereits gesehen, daß diese Carriere den Juden der Moldau verschlossen war. Die innere Verwaltung der jüd. Rajas ist Administratoren anvertraut, die auf 3 Jahre vom Gouvernement entweder ernannt oder bestätigt werden, und die ״Lpitropoi" OMU'OK genannt werden. Der ,Rabbiner und andere Beamte sind bis zu einem gewissen Grade ihnen subordinirt. Die Epitropoi . haben Ln Rücksicht auf die ihnen untergebenen Körperschaften eine beinahe unbegränzte Macht; denn viele Sachen, die anderswo nur vor die competenten Behörden gebracht werden können oder die Sache der Polizei sind, wie z. B. die Repartirung der Steuern, Geldstreitigleiten von nicht großem Betrage, Familienangelegenheiten, ja sogar Ver- Haftungen und kurze Gefängnißstrafe für leichte Vergehen werden in diesem Lande von den Epitropoi gehandhabt. Unglücklicherweise ist in der Moldau die Zahl der eingebornen Israeliten zu gering, sie in den Stand zu setzen diese Aemter einzunehmen um sich dieser Pflichten in einer Art zu entledigen, die zur Ehre und zum Vortheile der Juden gereichen würde. Die Vermögensverhältniffe der Juden in der Moldau sind recht zufriedenstellend. Es ist wahr, man soll keinen großen Reichthum unter ihnen finden, aber auf der anderen Seite erblickt man auch nicht jenen äußersten Grad des Elends, dem man unter den Juden im nabeliegenden Galizien begegnet. Mir sind unter den Juden in der Moldau außer dem jüd. Hospitale in Jassi-Galatz keine andere Wohlthätigkeits - Anstal-- Len bekannt. Die gesammre jüd. Bevölkerung der Moldau überschreitet vielleicht 50000 Seelen. Unter den bedeutenden Städten in der Moldau, die zahlreiche jüd. Gemeinden haben, können wir nach Jassi, Eotscham und Galatz anführen; die letzte, da sie weithin als ein bedeutender Schiffsplatz an der Donau bekannt ist. Setzt man jedoch die mercantilischen Vorzüge außer Augen und betrachtet die Stadt blos von dem aesthetischen Eindruck den ihr Anblick Hervorrust, so verliert sie viel bei einer näheren Besichtigung. In der unregelmäßigen Bauart und der Unreinlichkeit, die daselbst herrscht, ist Galatz das Miniaturbild von Jassi; die Juden jedoch, die daselbst wohnen, haben doch mehr Bildung, was ohne Zweifel von ihrem täglichen Verkehre mit Fremden herrührt, mögen es Christen oder Juden sein. Vergangenes Jahr traf ich einen sehr gebildeten Kreis daselbst, der viel für die künftige Bildung der Gemeinde zu versprechen scheint. In Galatz, wo eine große Anzahl Griechen sich aushalten, wurden die Juden von diesem rohen, fanatischen Haufen vor einigen Jahren während des Osterfestes, das so streng von den Orthodoren der Griech. Kirche gefeiert wird, angegriffen und mißhandelt. Sic fielen,über die Juden her, diese verteidigten sich so gut sie konnten, und wäre die Regierung nicht zur Zeit in's Mittel getreten, so würde