Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Cincinnatti
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 456 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Correspondenz. 456 Dagegen dürsten Ihnen einige Specialnachrtchten über unsere hiesige Gemeinde vielleicht nicht unwillkommen sein. Cinciuati hat gegenwärtig vier deutsche und eine kleine pol- Nische jüdische Gemeinde, die zusammen ungefähr 700 Mitglieder zählen. Außer denselben leben noch einige hundert jüdische Kamilien hier, die zu keiner Gemeinde gehören. ES befindet sich hier ein neugebautes, gut eingerichtetes jüdisches Hospital, drei jüdische Kinderschulen in sehr erwünschten Zuständen, viele Männer- und Frauen-n112n zur Unterstützung der Armen, Kranken und Nothleidenden, nebst vielen anderen wohlthätigen Vereinen. Eine jener obengenannten vier Gemeinden hat sich erst neulich und zwar größtentheils aus den ältesten derselben, der ק״ק בני ישראל, gebildet und zählt nahe an 60 Mitglieder. Sie führt den Namen: שארית ישראל. Diese losreißende Trennung und Spaltung in jener alten Gemeinde war das Werk der ״toleranten" und ״humanen" Reform. Im letzten Jahre hatte nämlich die Gemeinde beschlossen einen Prediger anzustellen. Herr vr. Lilienthal ans Newyork wurde angenommen, welcher sofort bei seinem Antritte eine so entschiedene Neigung zur Reform manifestirte, daß dieses schon die schmerzlichste Besorgniß und die trübsten Eindrücke bei den treuen Anhängern des alten Judenthums hervorrief. Als nun einige Monate später der neue Prediger mehrere Reform-Artikel der Gemeinde zur Annahme vorlegte, erhoben sich 39 Stimmen dagegen und 40 dafür — die — ״Majorität" — siegte! Diese Reformartikel betrafen hauptsächlich die jüdische Liturgie, פיוטים und פיטום ,יוצרות הקטרת uwb איזהו מקומן u. s. f. Ohne Rücksicht auf die Gesinnungen und Gefühle jener orthodoxen Gcmeindebrüder wurden diese adop-- tirten Reformartikel in Vollzug gesetzt. Warum auch nicht? Galt es ja der ״Verbesserung des Judenthums," geschah es ja zum Wohl und ״Heil" seiner Bekenner — da muß die Stimme der Humanität und der ״Toleranz" schweigen. Hat die Inquisition sich je um die Gesinnungen und Gefühle ihrer durch Marter bekehrten Opfer gekümmert! Es galt ja der allein selig machenden Kirche! Galt ja die blinden Ketzer wider ihren Willen dem Himmel zu zuführen! Warum sollte es im Judenthume anders sein? Die Mehrheit herrscht — der Sieger hat das Recht! — die Minorität duldet — und weicht. Das ist jedoch das glückliche Loos unserer amerikani-