Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 444 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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444 II. Daniel Levi de Barrios. Amsterdanrer Juden in einer sehr großen Achtung und war, wie sein spanischer Biograph von ihm sagt, die Blüthe und der Stolz seiner Genossen. Die schon bet Enriqucz G o m ez hervorgehobene Vaterlandsliebe ist auch Barrios eigen; er sehnte sich oft nach seiner Heimath zurück und wiegte sich gerne in dem süßen Traum, Monttlla, sein Montilla, nochmals betreten zu dürfen. In seinem ersten Werke besingt er in einem Sonnette den Ort seiner Geburt: ״O, mein Monttlla, geliebtes Vaterland, hellglänzender Stern, Vom Himmel werd' gesegnet, Krieg bleib' von dir fern." Aber dennoch gehörte er nicht zu jenen Naturen, welche Undank mit Liebkosen und Freundlichkeit erwtedern, er wälzte in seiner Melancholie Verwünschungen auf seine unbarmherzigen und Unmenschlichen Verfolger und hatte keine Schonung für das ihm zugcfügte Unrecht. Was die Werke Barrios betrifft, so wollen wir hier nur die vorzüglichsten neunen. Er lieferte eine allgemeine jüdische Geschichte in welcher sich seine immense Belesenheit und große Gelehrsamkeit zeigt und in welcher er mit philosophischem Geiste durchzuführen sucht, daß die Verfassung des jüdischen Staates monarchische, aristokratische und demokratische Elemente in sich vereine. Sein Vorzuglichstes, dichterisches Werk ist der ״Muscnkranz", eine Dichtung in 9 Theilen, welche sich größtentheils auf heidnischem Boden bewegt, aber dennoch sein reges Interesse für das Judenthnm und die jüdischon Angelegenheiten an den Tag legt. Barrio's Musenkranz, das Produkt seines Greisenalters, kann man als Zusammenfassung alles dessen ansehen, was dieser so talentvolle Mann in der Politik, oder Religion, Kunst und Wissenschaft gedacht hatte und mau findet neben einer hinreißenden, mit goldnen Zügeln gelenkten Darstellung mehr Philosophie, mehr Geschichte, mehr Moral darin, als in manchen Werken, die diesen Namen führen. Der erste Dhetl, Urania genannt, handelt von dem himmlischen Paradieses-Leben, welches er mit den schönsten Farben ausschmückt im grellen Gegensätze zu dem der Schlechten und Gottlosen, dem Höllenaufenthalte. Eine in's Einzelne gehende geographische Beschreibung Spanien's und Portugal's so -wie eine Genealogie der Könige beider Länder, lieferte