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Jeschurun · 1856-05-01 · Heft 8 (Mai 1856) · p. 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 8 (Mai 1856)
Article
Jüdische dramatische Dichter in Spanien
Date
1856-05-01
Page
443 (sequence 2)
Language
German
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Vo» Dr. M. Kayserltng. 443 gestiegen, und selten finden wir einen selbst bekehrten Juden, welchen die alles verschlingende und verzehrende Inquisition aus heimischem Boden weilen und im Vaterlande hätte sterben lassen. Auch Barrios gehörte zu den an Verfolgung, Verbannung und Scheiterhausen gewohnten Kindern Israels, welche entweder ihrer angestammten Religion öffentlich entsagen, oder dem Gluthofen der Inquisition anheimsallen mußten. — Der junge Barrios folgte zwar äußerlich der Gewalt, aber der in seiner Briest glimmende Funken der Liebe zum Judenthum erlosch auch in ihm nicht. Mit seinem 19. Jahre betrat er die militärische Laufbahn; er kämpfte wacker an der Seite seines Freundes Enriquez und stritt, mit dem jüdischen Gotte im Herzen, für die Ehre Spaniens und dessen Ruhm. Seine außerordentliche Tapferkeit und die dem jüdischen Krieger gewissermaßen rigenthümliche Geistesgegenwart — er besetzte die gefährlichsten Posten, bot kühn dem Feinde die Stirne — die in mehr als einer Art bewundernswerthen Eigenschaften zogen bald die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten auf diesen blühenden Jüngling, so daß ihm schon nach einigen Dienstjahren eine Hauptmannsstelle anvertraut wurde. Aber selbst Barrios, der Capttän, konnte der vteläugigen, das Innerste des Menschen durchwühlenden Inquisition nicht entgehen; auch ihm war es brschieden, sein Spanten schleunigst zu verlassen und im Auslande bet seinen Brüdern in Amsterdam eine Zufluchtsstätte zu suchen. Kaum aber war er den Häschern entronnen, so siel auch mit seinem königlichen Rocke die Larve, und sein Jnneres konnte sich wieder frei auch nach Außen zeigen. Er lebte fortan als aufrichtiger, Gott ergebener Jude und beschloß als solcher sein schwer geprüftes Leben in einem hohen Alter im Jahre 1699. Es scheint, als ob sich diese aus ihrem Vaterlande vertriebenen Geister für die Thatlosigkeit, zu welcher sie ein blinder Fanatismus verdammte, dadurch entschädigen wollten, daß sie zu den männlichen und Geistesfrische gewährenden Wissenschaften griffen. Haben wir auch Barrios als dramatischen Dichter bezeichnet, so war er doch ebensowohl Philosoph, als auch gelehrter Historiker, und hatte, wie sein Vater Simon de Barrios, gediegene talmudische Kenntnisse, welche er in seiner Erklärung und Auslegung der Gesetze niederlegte. Dieser vielseitig gebildete, als Dichter, Philosoph und Histortker bewährte Mann mit einer wahren Religiosität stand bei den

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