Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 434 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Geschichte der Juden von vr. Gratz. Siebenter Artikel. konnte er nichts zuthun und abnehmen und das wurde auch nie von ihm verlangt. Konnte man ihn des Irrigen seiner Tradition, des Irrtümlichen seiner Folgerung überführen, wohl, so hatte er Tradition und Folgerung zu lassen, wo nicht, so war es seine Pflicht seine Tradition Wetter zu tradtren, seine Folgerung weiter zu lehren, aber für die Praxis hatte er sich der Majorität seines örtlichen Kreises, ja streng genommen nur der Majorität des Lehrcollrgtums zu fügen, dem er angchvrte, (Jebamoth 14a) שלא יעשו אגודות כגון ביח רין בעיר אחת פלג מוחן כדברי ב״ש ופלג מוחן כדברי ב״ה אבל שחי בתי דינים בעיר אחת ליח לן בה. Für Diejenigen jedoch, die über den Gegenstand keine besondere Tradition hatten, war die seiner Ansicht entgegcnstehende Majvritätsmcinung überall maßgebend. Es war daher diese ganze Lehrverschicdenheit und dieser Gegensatz der Schulen gar nicht so ein gefährlich Ding, wie diese ״Geschichte" der Geschichtsdichtung zu Liebe uns glauben machen möchte, aber eben darum war auch nicht etwa ein Mangel an ״Nachgiebigkeit," ein ungefügiger, unversöhnlicher ״Starrsinn", an diesen Differenzen Schuld. Es war ja kein Glaubenskampf, kein Prtnzipten-Streit, wie uns diese Geschichte lehren wollte. Sie standen ja Alle aus einem und demselben Boden, achteten Alle eine und dieselbe Autorität, wurden Alle von einem-und demselben Grundsatz geleitet. Die in der Ansicht Entgegengesetzten wußten, daß sie betdersetts nach den ihnen gewordenen verschiedenen Traditionen gar nicht anders lehren konnten, lehren durften, sie achteten sich gegenseitig und konnten sich in Wahrheit gegenseitig als אלו ואלו דברי אלקי׳ וחיים achten und anerkennen. Nur in Folge der nach Hillel und Schamat immer vernichtender werdenden politischen Katastrophen und der dadurch geschmälerten Geistesruhe und verringerten Hingebung der Schüler und Jünger an die Worte der Meister und Weisen, שלא שמשו בל עדכן, wie wir das schon früher berührt, waren diese Verschtedenheiten entstanden. Der Eine glaubte die Lehre so empfangen zu haben, der Andere anders, der Eine hatte den Meister so aufgefaßt, der Andere glaubte ihn anders verstanden zu haben.. Nur durch eine möglichst vollständige und präctse Ftxirung der nun einmal vorhandenen Ueberlieserungsverschiedenheitcn konnte einer nun noch ferner«, größern Zersplitterung einigermaaßen vorgebeugt werden, und das war allerdings durch eine solche protokollarische