Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Geschichte der Juden
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 433 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabban Gamali<:l und seine Zeit. 433 kenswerthe Besonderheit auszetchnen: Sätze, in welchen sowohl Htllcls als Schamais Ansicht vor einer Dritten zurückstehen müssen, Sätze, in denen Schamai selbst nicht die Ansicht feiner Schule theilt, Sätze, in welchen die Hillelische Schule zuletzt selbst die Schamaitksche Ansicht adopttrt, endlich Sätze, in welchen die beiden Schulen ihre sonstigen gegenseitigen Eigenthümlichkeit getauscht מקולי ב׳׳ש וחומרי ב"ה und ist aus dem Ganzeil vielmehr nur die Absicht klar, die vorhandenen Gegensätze in ihrer authentischen Deutlichkeit klar zu tradircn. Wollte man nun auch mit dem Vers, die Worte, mit welchen die Tosifta diese Sammlung einleitet: כשנכנסו חכמים לכרס ביבנה אמרו עתידה ■שעה שיהא אדם מבקש, דבר מדברי חורה ואינו מוצא מדברי סופרים ואינו מוצא שנא׳ לכן, הנה ■'ימים באים וגו׳ שלא יהא דבר מדברי חורה דומה לחברו אמרן נתחיל מהלל ומשמאי שמאי אומר וכו׳ ״Als die Weisen sich in dem jamnesischen Weinberg versammelten sagten sie: es kommt die Zeit, wo man ein Wort aus der Thorah - oder soferischeu Lehre suchen wird und wird es nicht finden, denn es wird das Wort des Einen nicht dem des Andern gleichen. Fangen wir von Hillel und Schamai an: Schamai sagt u. s. w." nicht ,als einen einfachen Ausspruch begreifen, zu welchem die Sammlung die Belege bietet, sondern als das Motiv, das diese Sammlung veranlaßt, als eine Besorgniß, der diese Sammlung Vorbeugen soll, so braucht man ja nur auf den Charakter und den Ursprung dieser Verschiedenheiten in der Lehre zurückzugehen, um die natürliche Beziehung eines solchen Mittels zu einem solchen Zweck klar einzusehen. Nicht die bereits vorhandenen Verschiedenheiten ״auszugleichen," oder, wie diese Geschichte spricht, die vorhandenen Gegensätze zu ״versöhnen" konnte es gelten, vielmehr nur einem weitern Zunchmen dieser Verschiedenheiten und Gegensätze möglichst vorzubeugen fonnte man beabsichtigen. Von einer solchen ״Ausgleichung," ״Versöhnung," ״Nachgiebigkeit" im Punkte der Lehre wußte man überhaupt nichts, konnte man, durfte man, brauchte man überhaupt nichts zu wissen aus dem alten Felde der jüdischen Wahrheit. Das sind Hirngespinnste modern-kritischer Epigonen. Die Tradition, die Einer hatte, die Folgerungen, die er daraus nach den tradirten Regeln zog, waren nicht seine Sache, waren Gottes Sache, damit konnte er nicht feilschen und handeln, da