Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1856)
- Article
- Ijar
- Date
- 1856-05-01
- Page
- 422 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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422 Wochen und Tage der UebergangS-Perioden. äußern Zustände sich zu gestalten scheinen mögen, — mögen sie uns nimmer blenden! Nur auf den Höhen des Gesetzes winkt uns das Ziel, bedeutungslos sind unsere Tage, so wie noch fernab vom Stnai. Und wenn auch Accker blühen und Sicheln sich regen, für Zsrael blüht kein Acker, für Israel grünt keine Saat, ״Israels Händewerk stehet nimmer selbstständig und fest aus seine freie Kraft gegründet, so ihm Gott nicht dies Händewerk begründet," so ihm Gottes Gesetz nicht feststellt das Wirken seiner Hand, so es Gott nicht dient mit seinem Wirken und Schaffen. Israel hat sein Ziel nicht erreicht bis es seine Prüfungswochen durchgezählt und einmüthig wieder um den im Gesetzesfeuer leuchtenden Sinai-Gipfel lagert. Wir zählen Wochen und sagen uns, wie trübe sich auch die Zeiten gestalten und wenn auch Druck und Hohn, Verkennung und Ge- Walt uns die Tage unserer Wanderschaft umdüstern — Tage ründen sich zu Wochen, — vorwärts liegt unser Ziel, — vollenden wir nur muthig und stark die Wochen der eigenen Umwandlung, der eigenen Prüfung und Läuterung, wandern wir nur mitten durch die Wüste zu den Höhen des Sinai heran, auf dem Gipfel des Gottesbergcs wohnt das Gesetz u n d die Freiheit, — die Hand, die das Werk unserer Hände festigt, festigt auch die Hand .für das Werk. Wochen zählen wir. Lasset den Kleinmuth am Kummertuchc der Gegenwart nagen, lasset den Kleinmuth über die trüben Gestaltnngen des Tages au der lichtern Zukunft verzweifeln, lasset die Ungeduld in dem langsamen Fortschritt der Zeiten die Hoffnung vcrlieren, jeder Tag bringt uns dennoch vorwärts! Und wenn auch derer immer weniger werden, die den Tag ihrer Wanderung nach ihrer Entfernung vom Sinai zählen und schätzen, immer weniger derer, die sich nach der Sinai-Höhe sehnen und von dem leuchtenden Sinai-Gipfel Licht und Wärme, Gluth und Leben erhoffen, und immer stärker wird die Zahl derer, die die durch die Wüste zum Sinai wandernde Jacobsfamilie verlassen, und settabwärts zu Ammon und Moab, Amalck und Edom pilgern, oder sich eine Oase in der Wüste erwählen, oder sich tu de» Jrrgängcn der Einöde verlieren — wir wissen eS, Wochen deS Uebergangcs, der Prüfung und Läuterung zählen wir, die Periode der Nacht und der Nichtigkeit geht herum, eS kommt das Ende, es winkt das Ziel, die Enkel, die Urenkel finden sich einst alle wieder am Sinai zusammen und erndten in Freuden die Garben, die die Väter in Thränen und Seufzen gesäet.