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Jeschurun · 1856-05-01 · Heft 8 (Mai 1856) · p. 417

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 8 (Mai 1856)
Article
Ijar
Date
1856-05-01
Page
417 (sequence 5)
Language
German
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Aar. 41T schwinden, und Geschlechter vergehen — und haben den Trost nicht gefunden. , Erst wenn Wir die Weisheit gefunden, die uns Tage zählen lehrt, erst wenn jeder treu erfüllte Augenblick unseres Daseins in sich uns seine volle Seligkeit zu bringen vermag, wenn wir das Bewußtsein gefunden, das in jeden dahinschwindenden Augenblick die ganze Wonne aller Ewigkeiten zu legen versteht, erst dann wird in jedem Augenblick die ewige Seligkeit reifen und nicht Jahrtausende erst zu sühnen haben, was Jahrtausende gefehlt. Das ist aber die Weisheit, die sich nicht erst ans der Wissenschaft des Himmels und der Erde, nicht aus dem in den Ltneamenten des Erdballs, in dem Adergeflcchte der Wanzen und Thiere und Menschen erspäbeten Leben, nicht aus den durchforschten Geheimnissen der Sphären in den Höhen , der Schachten in der Tiefe, der mikroskopischen Wunder im Reiche der Lebendigen und der Tobten mühsam zusammenbuchstabirt, das ist überall die Weisheit nicht, die dem Menschen erst ans dem sich in die Ferne der Zeiten und Räume verlierenden Blick erwächst, das ist die Weisheit, die dem Menschen aus dem Blick in das eigene Innere erblüht, wenn ihm dort das Gottesbewußtsein aufgegangen, und ihm die Welt als Gotteswelt und ihn sich als Gotteskind und Diener gelehrt und er die Frage hinaus ruft an seinen und aller Welten, aller Zeiten Gott: was willst du, daß ich in meiner Spanne Zeit, auf meiner Spanne Raum, mit meiner Spanne Mitteln vollbringe, und er die Stimme Gottes vernimmt, und er der Stimme Gottes gehorcht. Das ist die Weisheit, die in die Sehnsucht nach dem göttlichen Gesetze aufgeht, die die großen Gänge der Zeiten Gott überläßt, und dem Menschen die Seligkeit, die frohe ungetrübte Heiterkeit bringt, die selbst die kurze Spanne eines Eintaglebens durch das Bewußtsein voll zu verleihen vermag: an dieser Stelle, in dieser Zeit, mit diesem kurzen Maaß von Kräften den Willen Gottes erfüllt, seiner Bestimmung genügt zu haben. DaS ist die Weisheit, die der alte Seher in den einen Wunsch zusammen faßt: Gründe unsere Thaten auf uns, mache uns selbstständig, mache uns frei, mache uns unabhängig von der Willkür, von dem Zwange der Gewalten und Mächte und von dem erst im Laufe der Zeiten reifenden Erfolge, lege die Bedingung unseres Handels und den Werth unserer Thaten in uns, gründe unsere Thaten auf uns, aber das

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