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Jeschurun · 1856-05-01 · Heft 8 (Mai 1856) · p. 416

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 8 (Mai 1856)
Article
Ijar
Date
1856-05-01
Page
416 (sequence 4)
Language
German
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416 Wochen und Tage der Uebcrgangs-Periodcn. fröhlich fein und froh. Wie du uns Tage gabst, tu denen du uns unser Elend fühlen ließest, Jahre, in denen wir nur Unglück kannten, so gteh du uns Freude wieder. Laß deinen Dienern sich dein Werk erschließen und deine Herrlichkeit über ihre Kinder sich offenbaren, daß an uns die Seligkeit, die du Gott, unser Gott, allein verleihst, sich bewähre: Begründe unserer Hände Werk auf uns, und das Wirken unserer Hände bestimme du es! Es ist das Gebet Moscheh's, des göttlichen Mannes, das wir in schwach,nachlallenden Worten wiederzugcben versucht, cs ist das Gebet, dessen Commentar die Weltgeschichte bildet und dessen gottgehobener Blick auf das letzte Ziel aller Menschheit-Entwicklung htnweist, aber auch Geist und Gemüth mit einer Weisheit zu rüsten vermag, die die dunkelsten Perioden des Uebexgangs zu dem einst lichtig sagenden Ziele heitern Muthes zu bestehen lehrt. Wohl ist es tröstlich beruhigend, die Jahre der Menschheit aus der göttlichen Himmelsperspektive zu beschauen, in welcher Jahrtausende zu einzelnen Uebergangsmomenten in dem großen Ent- Wicklungsdrama der Menschhettsbestimmung zusammenschwinden, wohl ist es tröstlich beruhigend sich sagen zu können: ״die Gänge der Zciten sind sein!" sein allmächtiger Wille trägt die Welt und seine ewige Weisheit führt Alles herrlich zum Ziele, aus der Nacht zum Tage, aus dem Moder zur Blüthe, aus dem Tode zum Leben, wohl mag unser Kletnmuth beschämt verstummen, wenn wir auch in der kurzen Spanne unserer siebzig, achtzig Jahre nur so wenig Erfüllung der heißesten Wünsche für das Heil der Menschheit zu erspähen vermögen, indem wir bedenken, wie das, was uns in unserer Beschränktheit nur als Mißton erscheint, sich in harmonischen Einklang im Akkorde der Aeonen auflöst, und was wir als Grabesgang der Vernichtung betrauern, als Vorbereitung ihrer Auferstehung von unfern Urenkeln begrüßt werden werde, und wohl mag hohe Seligkeit den Sterblichen durchschauern, dem es vergönnt wäre, diesen ״Gängen Gottes in dem Heiligthum" der Zeiten denkend, anbetend, zu folgen — allein die Menschheit erlösende Weisheit ist dieser Jahrtausende nmspannende Gedanke — nicht. So lange das Heute seinen Trost im ״Morgen" und der morgende Tag nur in Dem sich zu versprechen vermag, was ihm der folgende bringen könne, so lange werden Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende dahin-

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