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Jeschurun · 1856-05-01 · Heft 8 (Mai 1856) · p. 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 8 (Mai 1856)
Article
Ijar
Date
1856-05-01
Page
415 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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415 Sjar. war es, in welcher der erste jüdische Seher einst sein Gebet hinausbetete in die Nacht. Zu dem Einen Einzigen flüchtete er sich hinaus, der ״der einzige feste" unwandelbare Angelpunkt ist in dem wechselnden Gange der dahin rollenden Zeiten! Wie die Erde, so läßt Er auch die Menschen- Welt kreisen, wenn neue Bergeshöhen sich in ihr erzeugen sollen, — sei immer dunkel die Vergangenheit, dunkel die Zukunft, von verhülltem Zeitansang bis zum verhüllten Zeitenende ist Er allein die Alles bewegende Kraft, die Alles tragende Macht, ist Er allein— Gott! Bis zur Vernichtung läßt Er die alternde Menschheit schwinden wenn Er gesprochen: kehret wieder als neue Adamssöhne. Tage und Jahre zählt der kurzathmige Mensch; aber von GotteS Augen überschaut grnppirt sich die Geschichte nach Jahrtausenden, und da sind tausend Jahre oft nur wie der Wendepunkt, der den gestrigen Tag von dem heutigen scheidet, sind oft nur Eine Nachtwache in der Nacht! Er läßt sie dahin strömen — ihre Bedeutung ist: Schlaf— der Morgen kommt und es stehet erfrischt auf wie Kraut — am Morgen blühet's und treibtS — es geht zum Abend wieder, dann bricht man die Frucht ab — und wieder dorrt cs hin. Wenn es aber mit einem Geschlechte zu Ende geht und es sich rathlos unterm göttlichen Unwillen fühlt, dann sind seine Verkehrtheiten vor Gott getreten, zugleich aber auch die in ihm schlummernde bessere Zukunft vor das Licht seines Angesichts gekommen. Denn wenn erst unsere Tage nichts mehr bedeuten, dann vollenden wir auch unsere Jahre wie einen Traum. Wenn unsere Tage in unsere Jahre und unsere Jahre in jene Jahrtausende aufgehen, wir siebzig und wenn cs hoch geht achtzig Jahre in diesen Ocean der Zeiten zählen, Jahre, deren Kern Elend und Unrecht ist, Unrecht ist das wir leiden, oder Unrecht das wir üben, dann — wenn dann die rasche Eile uns abmäht — dann freilich fliegen wir dahin! Wer aber, so betete vor mehr als dreitausend Jahre der Seher, wer aber begreift die stärkende Kraft deines Zornes und daß du nur so viel zürnst, als du verehrt sein willst! Unsere Tage zählen, das mögen wir lernen, und dann ein weises Herz mit heimbringen; dann wende dich wieder o Gott, und gieb andere Zeiten deinen Dienern. Laß, wenn es dann wiederum tagt, uns im Bewußtsein deiner Liebe unsere Befriedigung finden, dann werden wir an jedem Tage unserer Tage

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