Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- Aus Holland
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 397 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932829-2939648--01473-2939730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■flu« Holland. 39? sich erst zehnmal hin und her räuspert, ehe er sich herabläßt daS einfachste Gesuch eines Juden nur anzuhören um ihn dann mit de» stereotypen Worten abzuwetsen: es thut mir wirklich leid — allein ich kann in den jüdischen Angelegenheiten Nichts bewirken. Und wenn die deutschen Glaubensbrüder nun gar einmal in Dingen wo es den Beutel, wie in Amsterdam, betrifft bet den christlichen Be- Hörden Beistand erflehten, ich bezweifle ob man den Israeliten im gesammten Deutschland soviel aus der städtischen Armenkasse geben würde, als sie in Amsterdam allein jährlich erhalten. Nein, es muß doch ein schreckliches Gefühl sein, bei jedem Worte wissen zu müssen und daran erinnert zu werden, daß man ja nur Jude ist. Nun Gott sei Dank da sitzen wir Holländer doch ein wenig ruhiger und gemächlicher unter unserm Wein- und Feigenbäume und wären nur unsere jüdischen Angelegenheiten in einem andern Punkte etwas mehr geordnet — der ״Univers Israelite", nennt Amsterdam ״das moderne Jerusalem" — dann könnte auch Holland das moderne Palästina heißen. Wir haben Juden in beiden Kammern, (H. Gvdefrot wäre sogar, wenn er es damals angenommen hätte, Minister geworden) mehrere procureurs du roi bekleiden als Juden die höchsten Aemter. Wir stehen auch weder in Kunst noch in Wissenschaft — (wir haben jüd. Professoren an den Universitäten zu Utrecht und Leiden, zwei Maler haben bet der Ausstellung in Paris Preismedaillen bekommen, wir haben mehrere ausgezeichnete Musiker und Componisten) — unseren christlichen Mitbürgern nach und — das ist auch wohl die Hauptsache — Künstler, Professoren und Diplomaten, Keiner schämt sich, wie dieses in Deutschland der Fall ist, seines JudenthumS. Ich möchte doch wohl wissen ob, wenn in Deutschland ein Jude das Glück hat als Polizeidiener oder Nachtwächter angestellt zu werden, er dann wissen und kund geben möchte, daß er Israelit ist und bleibt? Als vor einiger Zeit ein jüdischer Procnreur d. R. bestättgt wurde, legte er, weil er ausdrücklich bemerkte: er sei Jude seinen Eid mit bedecktem Haupte ab, obgleich dieses gesetzlich nicht gefordert wird. Ich könnte viele solche Beispiele aufzählen, wo dieses nicht minder der Fall ist. Wir steigen sogar in der Achtung unserer Mitbürger, wenn wir streng an die religiösen Vorschriften hangen, und obgleich auch zu uns schon die deutschen Winde der Jrreligio- LS