Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 382 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932829-2939647--01457-2939715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
382 המפתח. Praktische Einleitung u. s. w. von Leopold Löw öffentlichen Meinung machte, mit Empfindlichkeit und Eifersucht betrachteten. Wir erfahren vielmehr aus dem Talmud, daß auch nach dem Abschlüsse der Mischna gerade manche der hervorragendsten Lehrer der Halacha sich gerne auch mit der Haggada befassten, wie z. B. Gittin 60 a berichtet wird, daß N. Jochanan und Resch Lakisch sogar am Sabbath sich mit Haggada beschäftigten; Chullin 89 a wird von Lehrern der Halacha der Rath ertheilt, die hagadischen Ansichten des N. Jose aus Galiläa stets mit der größten Aufmerksamkeit zu vernehmen; R. Zehoschua b. Levi, von dem der Vers, selbst § 180 sagt, daß er ״sich als Schriftauöleger besonders im haggadischen Fache berühmt" machte, war in der Wirklichkeit aus dem Gebiete der Halacha nicht minder ausgezeichnet als auf dem der Haggada, er galt auf ersterem Gebiete als eine solche Autorität, daß, wie aus Tosaphot zu Sota 39 a, Tosaphot zu Megilla 27 a, ClMin 97 a, Kidduschin 23 a, Erubin 62 b hervorgcht, bet einer Meinungsverschiedenheit mit einem andern ebenfalls in sehr hohem Ansehen stehenden Gcsetzeölehrer, doch seine halachische Entscheidung als gesetzeögiltig angenommen wurde. Da nun, wie gezeigt, manche der berühmtesten Lehrer der Halacha ihre Geisteskräfte auch der Haggada zugewendct haben, läßt sich gewiß nicht mit Recht annehmen, daß sie über die Fortschritte der Haggada ״in der Eroberung der öfflentlichen Meinung" empfindlich waren. Allerdings sind im Talmud manche Stellen, welche scharfen Tadel gegen haggadische Schriften enthalten; dieser Tadel war aber nicht gegen die Haggada gerichtet, sondern nur gegen den Gebrauch, haggadische Erörterungen niedcrzuschreiben, 'womit manche Gesetzeslehrer rüüsichtlich des Gittin 60 a und Tcmua 14 b ausgesprochenen Verbotes nicht einverstanden waren. Daß dicS der Grund der gegen die haggadischen Schriften gerichteten Ausspräche unserer Weisen war, sehen wir am deutlichsten an dem von dem Verf. selbst erwähnten N. Zehoschua bcn Levi. Dieser Amora war cs nämlich, der Jer. Schabbath XVI gegen das Niederschreiben der Hagada die entschiedenste Mißbilligung auösprach, aber doch durch seine Deutung von Spr. Sal. 21, 21 (Baba bathra 9 b) und von Ps. 28, 5 (Jalkut Schimconi Th. II § 708) die größte Hochschätzung der Haggada erkennen ließ, und sich mit derselben, nach Baba kamma 55 a auch viel befaßt haben muß, was