Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 375 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932829-2939647--01450-2939708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Rezensirt von Dr. Gugevhetmer. 375 sich findet, nämlich aus Targum Onkelos, wo 2. B. M. 21, 9, 26, 30 das hebräische Wort כמשפט durch כהילכח übersetzt wird. Fast jedes Blatt des Thalmud liefert deutliche Beweise dafür, daß man mit הלכה nicht das durch den Gebrauch Ein geführte, sondern das durch Tradition oder Forschung fixirte Gesetz bczcichncte. Wäre Halacha nur das gewesen ״waö gang und gäbe ist", wie wäre dann ein Verständniß der Thalmudstellen möglich, in denen dieses Wort vorkommt? wie könnte der Ausdruck הלכתא למשיחא gedeutet werden, der nothwendig nach Raschi (Sanhedrin 51 b und Sebachim 45 a) durch הלכה הצריכה לנו לימות המשיח erklärt werden muß? wie könnte man stch ferner bei der Anterpretation des Verf. das Faktum erklären, dem der Traktat Edujot seine Existenz zu verdanken hat? wie könnte man fich erklären, daß R. Elicser beu Hyrkanus nach Snkka 28 a dreißig הלכות כהלכות מוכה gefragt wurde, die er nur theilweise beantwortete, weil er einen über Theil derselben nichts gehört hatte? wie wäre zu erklären, daß es Sache der Gelehrten war, bei Mcinnngsverschtedenheit fest zu setzen, wessen Ansicht angenommen werden sollte? da ja die Halacha, wenn fie das gewesen wäre, ״was gang und gäbe ist", nicht durch gelehrte Diskussion sondern einzig und allein durch das Leben hätte entschieden werden müssen. Bet der Ansicht des Verf. müßte der talmudische Satz .אם הלכה רופפת בעיניך הלך אחר המנהו, übersetzt werden. ״Wenn du über das ״was gang und gäbe ist", in Zweifel bist, so richte dich nach dem Gebrauche", während doch gerade in diesen Worten der große Unterschied, der zwischen Halacha und Gebrauch verwaltet, mit der größten Deutlichkeit hervortritt. Sowohl der Wortlaut als der Geist des Talmud widersprechen daher, wie aus vielen Stellen zu erweisen wäre, auf's entschiedenste der vom Verf. aufgcstellten Ansicht über Halacha.*) Ebenso falsch ist auch des Verfassers H) Bemerkenswert ist, daß der Verf. in Bezug aus die erwähnte Ansicht sich selbst widerspricht, da er §. 131 הלכות nicht, wie erwartet werden sollte, durch: Gebräuche, die gang und gäbe sind, sondern in einem richtigen, von der § 112 ausgestellten Meinung differirenden Sinne, nämlich durch: ״Satzungen" erklärt. Ebenso übersetzt er auch § 342 das Wort הלכת durch: ״Satzung", erklärt aber dafür das, worauf sich die Halacha bezieht, nämlich das göttliche Gesetz, nur als ״religiösen Gebrauch", indem er die in מבוא התלמוד des N. Samuel Ha-Levi vorkommcnde Worte: כל מה שקיימו חזל הלכה בענין סצוה übersetzt: ״Was unsere Weisen in Betreff der