Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 374 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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374 המפתח. Praktische Einleitung u. s. w. von Leopold Löw, lichkeit der schriftlichen Thora die Basis auf der das Judcnthum beruht, aufgehoben wird; obgleich »ach den Anschauungen des Judenthums auch in der Leugnung des göttlichen Ursprungs der Ueberlieferuug eine Verachtung des göttlichen Wortes liegt; *) obgleich die Erfüllung der in der Thora nicdergeschricbcnen Gesetze ohne die mündliche Lehre eine Unmöglichkeit ist, und die Tradition von der Thora ebenso deutlich als nothwendig vorausgesetzt wird: sollen die angeführten Worte des Verf. hier doch nicht vom dogmatischen sonder« lediglich vom wissenschaftlichen Standpunkte aus beurtheilt werden, woraus hervorgehen wird, daß die erwähnten Ansichten des Verf. jeder Begründung entbehren, und entweder auf die krasseste Unkenntntß des Schriftthums, auf welches sie sich beziehen, oder auf eine absichtliche Verfälschung der Wahrheit schließen lassen. Die Anschauung von welcher die vom Verf. hinsichtlich der mündlichen Überlieferung ausgestellten Unwahrheiten ausgehen, besteht in der unrichtigen Auffassung des Wortes הלכה. Der Verf. hält Halacha für daS ״was gang und gäbe ist", welche Erklärung aber ganz falsch ist; denn jeder Unbefangene wird zugeben, daß ein Wort, welches uns im Thalmud und in den Targumim zuerst entgegentritt, ein Wort, dessen Begriff den Mittelpunkt bildet, um den sich die talmudische Literatur bewegt, auch nach wissenschaftliche« Grundsätzen einzig und allein in dem Sinuc interpretirt werde« kann, in welchem es in dieser Literatur gebraucht wird. In der erwähnten Literatur ist aber die Bedeutung des Wortes Halacha nicht das ״was gang und gähe ist" , nicht das dem Leben, dem Usus Anheimgestelltc, sondern gerade die Regel, die Richtschnur für das Leben, das Resultat, das nicht ans der Praxis entstand, sondern als normgebeud für die Praxis auftrat. Dieß erhellt deutlich schon aus dem ältesten Schriftwerke, in welchem der erwähnte Ausdruck *) Sin der bereits augeführten Stelle in Sanhcdrtn 99 a heißt es: ואפילו אמר בל התורה כולה מן השמים חוץ מדקדוק זה מקל וחומר וה מגזרה שו' וו זהו כי דבר מה «Auch von demjenigen, der da sagt: die ganze Thora ist von Gott außer dieser Feinheit des Ausdruckes, dieser Schlußfolgerung, dieser Wortanalogi« heißt es: denn das Wort des Ewigen hat er verachtet." Demgemäß spricht sich auch Maimonidcs an der zitirten Stelle Hilchot Teschuba III 8 aus, w« er sagt: '3 הן הכופרי' בתורה;־• וכך הכופר בפירושה. והוא חורה שבעל פה. »Drei gehören zu den Leugnern des göttlichen Gesetzes , worunter der, welcher seine Erklärung nämlich die mündliche Lehre leugnet, und deren Träger der Unwahrheit deschuldigt."