Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- Nissan
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 369 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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369 . 4. Der Erwählung. gelachter entgegenschallt: ״wo ist denn nun ihr Gott?!" ״Nicht um unsertwillen, um Deinetwillen zeige dich wieder, damit man deine Liebe und ewige Treue erkenne!" schreit Israel aus der Nacht auf und hält fest an der Zuversicht, daß sein Gott ja der einzige Gott sei, der wolle und spreche, der schaue und höre, vernehme und handle und einschreite in die Gänge der Geschichte, dessen Gedanken die Zukunft der Menschheit in ihrem Schooße tragen und vor dem alle Gebilde des Wahns in Nichtigkeit versinken, die die Menschen vergebens mit den Scheinattrtbuten des Willens und des Wortes, der Wahrnehmung und der Macht und der Wältung bekleiden und damit derselben blinden Unfreiheit verfallen, die sie in den unfreien blinden Mächten ihres Wahns vergöttern. (לא לנו) Und darum weiß es Israel. Der ihrer einmal gedacht, wendet sich ihnen immer wieder segnend zu und segnet sie mit immer stcigendemSegen in allen kommenden Geschlechtern, und macht sie zu dem ewig lebenden, nimmer sterbenden Wandervolke über seine weite Erde, Seine Macht und Seine Wallung ewig preisend zu verkünden. (ר' זכרגו) Und darum liebt Israel auch die bangen Prüfungsftunden in der Nacht der Zeiten. Mögen Todesletden und Grabesängsten cS erfassen, mag es nur Noth und Elend vor sich sehen, es ruft seinen Gott an, es weiß sein Gott erhört's, sein Gott ist so gnädig, als gerecht und barmherzig auch wenn er richtet. Es bcscheidet sich gerne die einzelnen Gänge der Zeiten nicht zu verstehen, es läßt sich gerne das einfältige Zudenvolk schelten, die Einfältigen behüthet Gott, und wenn es erst ganz gesunken, bebt Gott cs rasch mit seiner Wunderhilfe. Dadurch gewinnt es die Ruhe und Besonnenheit mitten in Leiden, es weiß, sein Gott hat von jeher über es gewnltet und nicht nur seine Seele vom Tode, sondern auch sein Auge vor Thränen und — seinen Fuß vor leichtsinnigem Ausgletten geschützt. Darum wandelt es vor Gott — es allein auf den Gräbern aller Vergangenheiten — es allein vor Gott in den Ländern der Lebendigen, glaubt allein selber an die Wahrheit des Wortes, das es verkündet, wie tief es auch gebeugt, hat allein, in seiner anscheinend bodenlosen Flucht über die Erde, den Muth, die ganze Menschheit der Täuschung zu zeihen. (אהבחי) Und darum hebt es, so oft es aller der über es ergangenen Gotteswaltungen gedenkt, freudig den Kelch des Heils, verkündet den