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Jeschurun · 1856-04-01 · Heft 7 (April 1856) · p. 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 7 (April 1856)
Article
Nissan
Date
1856-04-01
Page
367 (sequence 19)
Language
German
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4. Der Erwählung. 367 und Gefühle, seine Regungen und Thateu im Einzel- Familien- Gemeinde- und Volksleben von Gott beherrscht, der Ersüllung seines Willens geweiht sein lasse, das in diesem Streben seine einzige Ausgabe, seine Einzelwohlfahrt, seinen Nationalruhm und seinem ewigen Frieden auf Erden finden soll — ein ganzes Volksleben gegründet durch Gott, geleitet und geordnet von Gott, gestützt und gebaut auf Gott, beglückt und beseligt durch Gott — das ist das Ideal, das Gott Seinen Erlösten in seinem Gesetze vorgesteckt — und die Erziehung seines Volkes zu diesem Ideale, die Treue und der Abfall, die Annäherung und Entfernung, das Schwanken und die Beharrlichkeit dieses Volkes in dem Wege zu diesem Ziele, die starke Gottcshand ״die nimmer fahren läßt ihr Volk und ihr Eigenthum nicht loögtebt", die durch Jahrtausende der Prüfung und der Nacht, des Schmerzes und der Entbehrung, ihr Volk endlich zu der Hohe der Vollendung, die ihr Gesetz ihm vorgezeichnet, und zu der schon hieniedtgen Seligkeit führt, die ihr Wort ihm verheißen — das ist die Geschichte dieses Volkes. Wie sehr wir aber auch noch nimmer voll erreicht dieses Ideal, wie sehr wir aber auch noch immer herüber und hinüber geschwankt, wie sehr wir auch noch nicht ganz aufgegangen sind in den Gedanken Gottes Volk zu sein, und noch immer wieder und wieder es gezeigt, daß es uns nicht genüge Volk Gottes zu sein und noch immer der fremde schimmernde Volkerglanz seine verlockende Macht über unser Herz nicht verloren, wie sehr darum auch die Zeit der Prüfung noch nicht aus und unser Mund noch nicht jubelnd die Morgenrothe unseres endlichen Tages zu begrüßen vermag, — dennoch — selbst in dieser Halbheit des Lebens, in dieser Dämmerung des Geschickes — hat sich Israel doch nicht seiner Vergangenheit zu schämen, giebts doch kein Volk, das so wie es aus seine Geschichte zurückzuschauen hätte, darf Israel sich doch seines welthistorischen Ganges unter den Völkern rührneu, ward Juda dennoch sein Heiligthum, und Israel dennoch sein Reich! Sehet die Erwählten an der großen Tafelrunde über die weite Erde! Sie dürfen sich dennoch freudig die Becher füllen und ihrer Erwählung zum Gottes-Volk dennoch Gott preisend gedenken! Sie haben ein Recht sich das Gottesvolk zu nennen, sie haben diesen Namen theuer bezahlt. Sie hatten im Glück ihre Aufabe ver- 23*

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