Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 7 (April 1856)
- Article
- Nissan
- Date
- 1856-04-01
- Page
- 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Die vier jüdischen Toaste. Masse der Volker — sie wurden nie irre an ihrer Menschenwürdesie vergaffen nie den Gstt, der ihnen in der Sklavennacht der Pharaonen nahe gewesen, sie ließen sich beschränken, ließen sich drücken, sie ließen sich Hetzen, sie ließen sich jagen, — aber etnschachteln ließen sie sich nicht. Sie gingen in Kerker, sie bestiegen Scheiterhaufen, — empfahlen ihre Enkel ihrem Gott ans Mizrajim — ließen die Flammen nm sich zusammenschlagen und starben — frei. Darum den zweiten Becher Ihm, der uns ans der Knechtschaft gerettet, der uns von der Menschenfurcht und dem Zittern vor den Naturgewalten befreiet, der uns vor dem Sklavensinn bewahrt, und uns als Märtyrer und Herolde des Glaubens an die Menschenwürde, an die ewige Freiheit und Gottebenbildlichkett aller Menschen unter die Menschen gesendet! Denn wahrlich, wenn die große jüdische Tafelrunde über die weite Erde hin dankerfüllt dem Retter aus der Knechtschaft ihre Becher weiht, da dürften, weit über den jüdischen Kreis hinaus, alle Freien auf Erden, alle nach Freiheit Seufzenden, alle für das Recht und die Freiheit und die Würde des Menschen Ringenden mit eiustimmen in den jüdischen Dank, ,mit thcilen den Jubel der jüdischen Hymnen; denn in der Geburtsstundc der jüdischen Freiheit ward auch ihre Freiheit geboren. Es sind die ans Egypten Befreiten, die der Menschheit das verlorene Bewußtsein von dem Einen Vater aller Menschen, und dem gleichen Rechte und der gleichen Ebenbildlichkeit und Gottesktndschast aller Menschen wieder gebracht. Es sind die aus Egypten Befreiten, aus deren Händen sie das Buch hingenommen, das das Recht und die Freiheit und die göttliche Würde jeder Menschenseele verbrieft und versiegelt. Und wenn dennoch diese Gedanken immer lichter werden in der Brust der Führer und Völker, wenn immer klarer und ernster das Bewußtsein lebenbig wird, daß das in dem letzten Bettler verletzte Recht das Heil der Gesammtheit in ihren Grundfesten erschüttert, wenn die Ueberzeügung immer mehr alle Gemüther dnrchdringt, daß nur in dem, die freie, selbstständige Entwickelung Aller gleich sichernden Rechte der Hoffnungsboden für das Heil der Menschengcsellschaft zu finden sei, wenn diese Gesellschaft an eine Zukunft glaubt, in welcher unter dem Segen des Einen Einzigen himmlischen Vaters alle Menschen zu einem frohen, freien, friedlichen Leben auf Erden