Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 6 (März 1856)
- Article
- Adar und Weadar
- Date
- 1856-03-01
- Page
- 312 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Adar und Weadar. blind waltenden, mechanischen, elektrischen, chemischen Mächten widerstandlos verfallen. Sie haben ja schon längst - aufgehört, Hirn und Auge, Herz und Hand und Fuß zu sein. Aber das Hirn des lebendigen Menschen, das Auge des lebendigen Menschen, Herz und Hand und Fuß des lebendigen Menschen gehören den denkenden, schauenden, wollenden, wirkenden und strebenden Kräften des ewigen, nnsterbltchen, freien Gottesgcistes an, den der freie allmächtige, ewige Schöpfer als sein Ebenbild und seinen freien Diener zur Erde gebaucht und ihm, für seine Wallfahrt und seinen Dienst auf Erden, den Leib mit seinen Organen als Werkzeug und Diener, als Bote und Herold untergeben. O, wer den Fluch gewahrt, den die von Leichen abstrahirte, vermeintliche Wissenschaft des Lebens der göttlichfreten Sittlichkeit des Menschen zu bringen droht, der mag's begreifen, warum das jüdische Gottesheiligthum Tod und Leiche aus dem priesterlichen Kreis des Lebens bannt, und seine Söhne nach jedem Contakt mit Tod und Leiche immer wiederholt auf den Priester hinwetst, der mit dem Eingang in's Gottesheiligthum zugewandtem Blick, das überall sonst ungebändigte Thier mit freier Herrscherhand meistert, und den überwältigten Lcbenstropfen siebenmal dem Eingang des Gottesheiligthums entgegcnwirft, — der mags begreifen, warum, selbst nachdem Tempel und Heiligthum äußerlich geschwunden, diese Lehre dem Juden alljährlich wieder neu vor die Seele geführt wird. Lasset uns fest bleiben, wenn auch Alles ringsum schwankend und irre an stch wird, lasset uns uns dem Leben erhalten, wenn auch Alles ringsum der Verwesung zuetlt, lasset uns zur Freiheit, zur Reinheit, zur Gottähnlichkett emporstreben, wenn auch der Leichenduft der Moderweisheit Alles in die Grabesbande des sittlichen Todes herabzuziehen droht, — lasset uns nicht rasten und ruhen, lasset uns kämpfen und ringen, bis wir als würdige Priester und Herolde der Gotteslehre des Lebens, der Freiheit und Reinheit dastehen. Nicht dem Schlamme sittlicher Verwesung, dem Gottesheiligthum zu,, wo die Gotteslehre unter Cherubim-Fittigen ruhet, dem Wege zu, der zu Gott und der von Ihm gelehrten Lebensvollendung führt, dem Ziele zu, das nicht Tod und Fessel, das nur Leben und Freiheit und Reinheit kennt, bleibe unser Blick stets zugewandt, dieser Blick giebt uns die'Kraft, mit göttlicher Energie Triebe und