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Jeschurun · 1856-02-01 · Heft 5 (Februar 1856) · p. 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 5 (Februar 1856)
Article
Die Juden in Corfu
Date
1856-02-01
Page
287 (sequence 2)
Language
German
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Dte Juden in Corfu. 287 fähigkeit der Juden, sondern der Wille des Parlaments sie von den öffent-- lichen Aemtern ausschließe, und ließen sich daher die Juden durch die erlittenen Angriffe und Hindernisse nicht zurückschrecken, sondern arbeiteten beharrlich an ihren innern Fortschritten. Die Privatschule des Professor Leo Guisto erfreut sich eines täglich fortschreitenden Gedeihens. Die neue Talmud-Thora-Schule für Arme unter Leitung des treff-- lichen Oberrabbiners I. M. Hasan wird von 200 Knaben besucht, die in den verschiedenen Zweigen des Hebräischen, Griechischen, Italienischen, Arithmetik u. s. w. unterrichtet werden. Diese Sckiule zeichnet sich vor allen Schulen des Landes vortheilhaft aus und wird lediglich von jüdischen Kräften gehalten. Der Unterricht der armen Mädchen ist jedoch aus Mangel an den erforderlichen Mitteln, nicht aus Nachlässigkeit, noch unversorgt. 'Die jüdische Bevölkerung von Corfu beläuft sich auf 4000, und bildet den vierten Theil der ganzen städtischen Einwohnerschaft. Keiner von allen diesen hat je dem Lande Anlaß zur Klage gegeben, niemals wurde ein Jude wegen eines Capitalverbrechms verurtheilt. Selten sieht man Einen im Gefängnis; und seit 2 Jahren traf Keinen diese Strafe. Unter der unvermögenden Klasse komman wohl Streitigkeiten vor, die aber größtentheils beigelegt werden, selten hat der Richter ein Urtheil zu fällen, und wo dies nothwendig wird, endet die Sache größtentheils mit einer Geldstrafe. Die meisten sind Schneider, "Detailhändler u. s. w. Es gibt unter ihnen Aerzte, Unteradvokaten, Handelsleute, Oel-, Wein-, Manufaktur-, Papier- und Viktualien-Mäkler. Es giebt auch Ackerbauer unter ihnen und Handwerker in Bronze und Eisen. Es ist ihnen aber nicht leicht ein Handwerk zu erlernen, da die große Eifersucht der jonischm Meister eS zu hintertreiben sucht, und dies ist die vorzüglichste Ursache, warum so viele Glieder der jüdischen Gemeinde in Corfu in großem Elend leben. Die jüdischen Frauen der dritten Classe sind Wäscherinnen, die der zweiten Schneiderinnen, da sie mit der Nadel, insbesondere in Anfertigung von Schuhen, eine besondere Geschicklichkeit besitzen. Einige sind theoretisch und praktisch gebildete Hebammen. Die Juden in Corfu zerfallen in 2 Gemeinden, die griechische und die italienische, wovon die Letztere die zahlreichere ist. Die beiden Gemeinden haben sich sehr vieler wohlthätiger Institutionen zu rühmen, deren wichtigste der Verein ״Berith Abraham" für arme Wöchnerinneu beider Gemeinden ist. Ebenso wohlthätig erweist sich die Brüderschaft Gmiluth Chassadim, die nicht nur bei Sterbenden und Leichen die Pflichten der Pietät erfüllt, sondern mit ^der anerkennungswerthesten Hingebung und dem heiligsten Eifer überall Beistand und Hülse zu bringen thätig istwo die Noth und das Elend der Hülfe bedarf. Die Ausübung der religiösen Pflichten nimmt die Leiter der Gemeinde insbesondere in Anspruch. Es gibt dort drei Synagogen und zwei Prediger.

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