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Jeschurun · 1856-02-01 · Heft 5 (Februar 1856) · p. 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 5 (Februar 1856)
Article
Die Juden in Corfu
Date
1856-02-01
Page
286 (sequence 1)
Language
German
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Die Juden in Torfu. Gegen das Ende des 15. Jahrhunderts ließen sich viele aus Spanien und Portugal flüchtige^ jüdische Familien in Corfu nieder und brachten dem Handel der Insel bedeutenden.Bortheil. Die Heilkünde wurde ausschließlich von. ihnen ausgeübt, was nichts Auffallendes ist, da diese wichtige' Kunst die Höchsten geistigen Fähigkeiten erfordert und deren Ausübung durch Juden selbst in den unduldsamsten Ländern gern gesehen ward. Ihre Treue bewiesen sie der Negierung bei vielen Gelegenheiten,^zeigten sich tapfer und uneigennützig in Gefahren und opferten Vermögen und Leben, um das Land gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Gleichwohl verbesserte sich ihre Lage nicht, während im Gegentheil Neid, Habsucht und der Geist religiöser Unduldsamkeit mit Riesenschritten Zunahmen und sie in höchst gedrückte, ja säst hülflose Zustände versetzte. Dieser Zustand der Dinge dauerte bis. zur französischen Occupation Ende des 18. Jahrhunderts vor, wo in allen jonischen Inseln Freiheit und Gleichheit proclamirt wurde und mehrere Juden würdig geachtet wurden, öffentliche Aemter in den verschiedenen Zweigen zu bekleiden. Im Jahre 1815 wurden die jonischen Inseln eine vereinigte Republik, die Juden aber verloren die Rechte, die sie unter der französischen Regierung erlangt hatten, und fielen sie gleich nicht wieder ganz in den gedrückten Stand zurück, in welchem sie sich beim Fall der venetianischen Republik befanden, so fühlten sie doch die Erniedrigung, in welche sie wieder versetzt waren, um so tiefer, nachdem sie einige Jahre bereits die herrlichen Früchte der Freiheit genossen hätten. Die Juden in Corfu haben immer viel von den Wirkungen des Hasses und dem ungerechten Entgegentreten ihrer jonischen Mitbürger zu leiden. Die Vermittlung der Engländer ist heilsam, doch nicht immer ausreichend, um die so ungerechterweise gegen sie verübte Härte zu unterdrücken. Ihre politische Lage ist daher, wie bemerkt, eine gedrückte. Sie können kein öffentliches Amt erlangen, wozu auch die Advokatur gehört, ebensowenig steht ihnen das Wahlrecht bei der Wahl der Repräsentanten zu/während ihnen die Ausübung der Unter-Advokatur erlaubt ist, eine Inkonsequenz, die um so auffallender ist, da diese in den jonischen Staaten viel schwieriger als die Advokatur auszuüben ist. Es hat sich auch schon . im Jonischen Parlament eine Stimme für die Aufhebung eines politischen Bannes erhoben, der eines seiner Freiheit sich rühmenden Staates unwürdig ist. Aber diese eine Stimme konnte die Majorität nicht erlangen und der Antrag zur Reform des Gesetzes wurde zurückgezogen» Seitdem liegt es aber klar am Tage, daß nicht die Un«

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