Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Oberst Rawlinson's Bericht über seine neuesten Untersuchungen in Mesopotamien
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 284 (sequence 2)
- Language
- German
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284 Rawlinson's Bericht über seine neuesten Untersuchungen in Mesopotamien. als ein Archaismus zu betrachten sein, wie er vielleicht schon ini Munde des Chaldäers Abraham und seiner Hausgenossen gelebt. Oberst Rawlinfon ist mittlerweile in England augekommen, und wird seinen anderthalbjährigen Urlaub zier Ausarbeitung eines größeren Werks über die Resultate seiner Forschungen benutzen. Schließlich ersuchte Dr. Wilson den Berichterstatter, ein paar Worte über die Sprache der Inschriften und die Methode ihrer Entzifferung zu sagen. Rawlinson wiederholte kürzlich, was er vor vier Jahren im Journal of the Royal Asiatic Society erörtert, daß der erste Schlüssel zur Lesung der assyrischen Schrift durch die brkannte Inschrift bei Besttun dargeboten worden, welche neben dem persischen Edict eine gleichlautende Uebersetzung desselben in assyrischer, resp. babylonischer Schrift und Sprache gibt. Seitdem habe er viele tausend Inschriften studirt und analysirt, nicht bloß Felseninschriften, die in wenigen Zeilen eine königliche Bekanntmachung enthalten, sondern ausführliche Urkunden, architektonische Berichte, wissenschaftliche Vorschriften, Gebete, Anrufungen, die ganze Geheimlehre chaldäischer Religion und Philosophie, und so dürfe er sich wohl als einen Kenner dieser Sprache betrachten. In allen wesentlichen Punkten sei das Babylonische bloß ein altes Ebräisch von gleichen Wurzeln, einem ganz analogen grammatischen Bau, mit einem sehr ähnlichen Conjugationssystem und größteutheils identischem Wvrterschatz. Die große Schwierigkeit, das Babylonische und Assyrische zu lesen und zu verstehen, liegt in der außerordentlichen Zahl der angewandten Schriftzeichen, unter denen man bloß an Voralbezeichnungen über 300 zählt, und in ihrer verschiedenen Bedeutung, indem ein und derselbe Schristzug oft zur Bezeichnung von sechs oder sieben verschiedenen Sylben angewandt wird. Indessen mit Hilfe der obenerwähnten erklärenden Tafeln ist.es Herrn Rawlinson bereits gelungen, 3000 bis 4000 dieser Monogramme zu registriren; allein er glaubt, daß wenigstens 20,000 solcher Zeichen im Gebrauche waren, und bis diese alle bestimmt gelesen seien, könne die Sprache nicht vollkommen bemeistert heißen. Der Oberst schloß mit einer Danksagung an die ״asiatische Gesellschaft" für mannigfache Unterstützung, deren er sich bet seinen Forschungen von ihr zu erfreuen gehabt habe.