Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Der Materialismus in der Naturwissenschaft
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 278 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Der Materialismus in der Naturwissenschaft. Kraft nennt, ist bloße Thätigleit des Lebens. So finde ich in einem neuesten naturwissenschaftlichen Werke die Stelle: ״Die znfammcngesetzteren Substanzen heißen auch organische, und ihnen kömmt, sobald sie einen bestimmten Grad von zusammengesetzter Mischung erreicht haben, eine bestimmte, sogenannte organistrte Form zu und mit dieser Eigenschaften, welche man Lebensthätigseiten zn nennen pflegt und früher einer ganz besonderen Kraft, der Lebenskraft, zuschrieb." — Gut, also nicht Lebenskraft. Was ist aber das, was man Lebensthätigk eiten zu nennen pflegt? Dhätigkett setzt ein Thuendcs, eine Ursache, eine Kraft voraus. Man weist die'Lebenskraft aus der Wissenschaft aus, um Lebenskräfte dafür einzulassen. Thätigkeiten sind doch Kräfte. Sie sind eben so gut etwas ״Besonderes", wie die Liebig'sche Lebenskraft, etwas sehr Besonderes. ״Den organisirten Substanzen kommen Eigenschäften zu, die man Lebensthättgkeiten zu nennen pflegt." Kommen zu? Was heißt das? Ist das ein wissenschaftlicher Ausdruck? Woher kommen ihnen diese Eigenschaften? Sie kommen ihnen zu, also von außen? Wo staken sie denn? Warum kanien sie nicht früher? Wer schickte sie, denn bloße Eigenschaften an sich haben keine Beine und keinen Willen. Oder finden sich die Lebensthättgkeiten in den organisirten Substanzen schon dor, so daß sie blos bis zn einem bestimmten Grade von Mischung zu warten brauchen? Die Chemie giebt uns hierauf nicht die geringste Antwort. Genug, daS Leben beginnt nach bestimmter Mischung. Die Pflanze wächst, das Thier läuft, der Mensch lebt und denkt. Woher kömmt das Alles? Die Chemie kann bekanntlich kein Zucker-Atom aus seinen Elementen zusammensetzen, geschweige einen Grashalm, ein Thier. Wer thut cs denn? Die Chemie sagt: es macht sich von selbst: Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor u. s. w., und da läuft der Hase, und da denkt der Mensch. ״Es kömmt ihnen zu. Ist 'ne alte Gerechtigkeit." Liebig giebt den spezifischen Unterschied zwischen Chemie und Leben selbst an und weist aus dem reichsten Schatze von Forschungen und Experimenten nach, daß ׳sich das Leben aus den Körpern selbst nicht erklären lasse. Woher es,komme, weiß Niemand. Das Unbekannte muß aber einen, ,Namen haben, also Lebenskraft, also ein Wort für x, die unbekannte Größe. Die Weiseren sagen, die unbekannte Größe ist sa nichtssie Besteht blos aus