Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Der Materialismus in der Naturwissenschaft
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 279 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterirdische Entdeckung In Jerusalem. 279 Lebensthätigkeiten. Das heißt, um das Leben selbst bekümmern wir uns nicht, wir sehen es gleich thätig, in seinen Wirkungen, wie der Haase läuft, der Hund bellt, der Mensch erfindet, schafft, denkt, einen ״Faust" schreibt, einen ״Hamlet", liebt, haßt, Großes denkt, Schönes empfindet und verwirklicht — Alles aus Sauerstoff, Stickstoff, Fibrin, Albumin, Käsestoff und höchstens noch ein Bischen Elektrizität. Wird diese Weisheit, diese Bernüchterung, Verödung, Verblödsinnigung des Lebens, der Natur, der großen, unendlichen Gottes- und Mcnschenwclt, mit welcher jeder Realschüler der dritten Klasse schon seine gläubige Mutter, seine sinnige Schwester erschreckt, um zu zeigen, was für ein vorurtheilsfreier Held er schon geworden, den Materialisten der Naturwissenschaft nicht schon selbst zum Ekel? Kann die Materie jemals laufen lernen? Ihr sagt ja selbst: Trägheit ist eine allgemeine Eigenschaft aller Körper. Wie kömmt also der Hase zu seinen Läufen? Und wie kömmt nun gar der Mensch zum Sprechen, Empfinden, Erfinden, Schaffen, Denken? Liebig hat nachgewiesen, daß die organischen Gebilde schon in ihrem rohesten ersten Lebens-Anfänge über das Gebiet der Natur- Wissenschaft in ein ihr jenseitiges hinausgehen; wie weit gehen fie darüber hinaus in einem Faust, einem Shakespeare, einem Schiller, in jedem großen Gedanken, in jeder schöpferischen Thal, in jedem Willensakt des edelstnntgen Menschen? Daher sollte die Natnrwisscnschast zunächst bescheiden werden und wenigstens nicht gemeiner sein, als der gemeine, niederträchtige Reinecke Fuchs, der die Trauden, die ihm zu hoch hängen, doch bloß sauer nennt, aber mein Lebtag sich nicht so blamtrt, um zu behaupten, es seien gar keine Trauben vorhanden. v; Palästina. Unterirdische Entdeckung in Jerusalem. Die heilige Stadt am Fuße deS Oelberges, so reich an geschichtlichen Umwälzungen, Herrscherwechseln, Leiden und Erinnerungen, ist eben durch diesen Geschichts-Reichthum der geweihte An-