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Jeschurun · 1856-02-01 · Heft 5 (Februar 1856) · p. 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 5 (Februar 1856)
Article
Schewat
Date
1856-02-01
Page
260 (sequence 8)
Language
German
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260 Schewal. und packte» sie aus Ost und anö West, und packten sie aus Süd und aus Nord, und beugten sie vorwärts und rückwärts, und beugten sie rechts und links — und sie sind dennoch nicht gebrochen, und sie feiern dennoch heute im Angesicht des Winters und seiner Stürme still im Innern ihr Auferstehuugsfcst! Denn siehe, was haben sie verloren, was konnte man ihnen rauben? Die Früchte, die man ihnen geraubt, wären ihnen dennoch später entfallen. Die Blätter, die sie verloren, waren dennoch schon falb. Die Zweige, die Acste, die die Stürme brechen konnten, es wären nnr die dürren, ihnen bhnehin schon abgestorbenen Zweige und Aeste. Was'lebendig und frisch noch mit dem innersten Mark ihres Herzens znsammcngcwachscn war, beugte sich mit ihnen im Sturme, beugte sich mit ihnen im Wetter; aber die Stürme konnten es nicht knicken und die Wetter nicht brechen, und vom Würmergeniste wusch sie der Guß und Ranpcngebrüte tvdtete der Frost, und — weil sie ihren Halt nicht in der säuselnden Krone und nicht in dem Schmucke der Aeste und Zweige und Blätter, den Vergänglichen, gehabt, weil sie dort ihren Halt eingeschlägen, wohin Wetter und Stürme nicht dringen, weil sie in dem Boden wurzeln, in welchem die ewigen Quellen des Lebens und der Verjüngung springen, weil viel weiter als das Geäste ihrer Krone, ihre Wurzeln in diesem Boden reichen und sie keine Sproffe dort oben getrieben, für die sie nicht eine Wurzel-Faser in den Boden gesenkt siehe, darum konnten alle Stürme sie fassen, und schütteln und beugen, und sie sind doch noch ungebrochen, haben doch noch ihren Halt nicht verloren, und weil sie den nicht verloren, haben sie gar nichts verloren, haben sie mit allem Kampf und Ringen in Sturm und Wetter nnr gewonnen, dürre Blätter und Zweige haben sie verloren, Geniste und Gebrüte der Würmer ward an ihnen getobtet — aber ihre Wurzeln baben sie alle behalten, keine Wurzelfaser ward ihnen entrissen, und schon geht die Zeit ihres Kämpfcns und Ringens, ihrer Läuterung und Kräftigung zu Ende, schon dringt aus dem Borne der Tiefe neuer Saft, neue Kraft, neues Leben durch die Wurzeln hinauf in das Mark ihres Herzens, schon erwacht der neue Frühling in ihrem Innern. Der Frühling kommt, die Stürme schweigen, neue Triebe, neue Schossen treibt der Baum, ersteht auf's Neue zum reichen Schmuck der Zweige und Blätter, der Blüthen und Früchte, ungehemmt durch das Dürre, welches die

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