Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1856)
- Article
- Schewat
- Date
- 1856-02-01
- Page
- 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie Frühkingspredigt tm Winter. z57 Lebensordnung haben diese jüdischen Geister zum Gemeingut unseres ganzen Volkes gemacht und dadurch die göttlichen Aussprüche: ״dein Lager sei heilig", ״keine Blöße an dir sichtbar", zu einer Lebensgcwöhnung ansgcbaut, die fort und fort das Bewußtsein der Reinheit und Freiheit unseres, dem Göttlichen, Unsterblichen, angchörigen lebendigen Wesens wach und wacker zu erhalten fähig ist. An ein reines, der göttlichen Freiheit und dem Leben angehörigcs Tagewerk wird der aus dem Schlafe zur wachen That aufstchende Jude erinnert, wenn er, seine Hände priestcrlich waschend, seine Kraft der reinen, freien, geistig beherrschten That vor Gott weihet. Seinen Tisch zu einem Altäre, sein Brod zum Hciligthum, seine Nahrung zum gottesdienstlichen Opfcrmahl erhebt der Jude, der die Hand, die das Brod brechen soll, zuvor priestcrlich waschend zum Werkzeug heiliger Handlung ״hebt". ״Rein" den Leib, ״rein" die Hand, ״rein" die Umgebung, und alle thierische Blöße dem Blicke verhüllt, steht der Jude betend vor Gott und lernt, daß ihn seine innige Beziehung zu Gott über alles Niedrige und Gemeine, über alles Unfreie und Vergängliche hinüber in den Kreis des Heiligen, Freien, unvergänglich Ewigen, Reinen, zu heben bestimmt sei. Ja, bis in die Ordnung und Behandlung der Kleider trugen die jüdischen Geister die Mahnung zu Reinheit, zu Kraft und zum Leben und lehrten, die den thierischen Leib unmittelbar berührende Seite des Gewandes dem Blick zu entziehen und überall der der Selbstständigkcit und der Kraft zugewandten ״Rechten" den Vorzug zu geben. Waren sie doch also von dem Gedanken durchdrungen, daß unsere Beziehungen zu Gott uns nicht zur Schwäche, sondern zu Kraft, uns nicht zur Zerknirschung, sondern zur Erhebung, uns nicht zur Crtödtung, sondern zur Belebung führen solle, daß selbst im Gebete sie uns bei Nennung des göttlichen Namens nicht uns zu beugen, sondern uns zu ״erheben" lehrten, weil ה' ווקף כפופים, weil der Gedanke ״Gott" uns nicht niederwerfen und beugen, sondern kräftigcn soll und heben, und die ungebrochene Freiheit es ist, die aus unserm Umgänge mit Gott uns erblühen soll. Nur der König, lehren sie, dem die Ueberhebung so nahe, bete sein ganzes Gebet, in gebeugter Stellung. Wohl kennen wir daS Lächeln, das alle diese und ähnliche ״Kleinlichkeiten" bei denen finden, bei welchen der jüdische gottes-