Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Ein Wort an Herrn Kirchheim
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 242 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Ei» Wort an Herrn Kkrchheim. Anschauung des Objekts, das Interesse für die Sache ist aus dem Leben wie aus der Wissenschaft geschwunden. Aus subjektiven Sympathien und Antipathien beurtheilt man Alles. Durch angedichtete Motive entstellt man die Lebenden wie die Tobten. Wahrlich Herr, ich bedaure Sie. Denn das fühle ich, hätte ich je in den fünf und zwanzig Jahren meines öffentlichen Kampfes mich auch nur um ein Zehntheil gegen ׳einen meiner vielfältigen Gegner so wie Sie sich gegen mich versündigt, hätte ich je einen meiner Gegner auch nur mit dem leisesten Wort moralisch verdächtigt, sittlich verläumdet, persönlich verkleinert, je einem meiner Gegner auch nur den zehnten Theil dessen angelogen, was Sie mir in solchem Uebermaß angedichtet — ich würde׳ mich in die Seele hineinschämen, ich wurde vor allen redlichen Männern der Gegenwart und vor allen Gassenbuben der Nachwelt schamroth flüchten, ich würde die Männer und die Buben mit Fingern auf mich weisen sehen: nehmt euch in Acht vor Dem, hie ihger 68t, h־unc caveto. Der liest nicht nur zwischen den Zeilen, Der glaubt zwischen den Rippen in's Herz lesen zu können, und den Schmutz, den er dort heraus conjekturirt, tischt er als Wahrheit dem Leser auf! Wachend und träumend würde mich das Stigma: oalumniator verfolgen, und die Hand würde mir ferner den Dienst versagen, wenn sie die Feder führen sollte. Sehen Sie Herr, so würde es mir ergehen. Und ich Hin doch einer von jenen, wie Sie zu sagen belieben, Zionswächtern mit den giftigen Pfeilen und der aus dem Versteck heraus sprühenden Galle. Was müssen Sie nun erst fühlen, der Sie doch zu der weißen, unschuldigen, milden Zunft der Literati gehören! Wahrlich Herr, ich bedaure Sie. Was nun aber die Anstalt, das Seminar in Breslau betrifft, deren Mißliebigkeit diesen ganzen Jammer und unsere vernichtende Kritik des Grätz'schen Geschichtswcrkes hervorgerufen haben soll, so müssen Sie, da Sie sie nun einmal zur Sprache gebracht und in eine so enge Beziehung zu diesem Geschichtswerk und seinem Verfasser gesetzt, darüber nun auch ein offenes Worthinnehmeu. Wir keuneu die Stellung nicht, die der Vers, der Geschichte der Juden, in dieser Anstalt einnimmt, wir wissen nicht wie maßgebend und einflußreich sein Anthetl an der Lehre ist, die dort erthetlt wird. Jst's aber an dem, wie Sie vvraussetzen, hat der Verfasser der Geschichte der Juden einen wesentlichen Anthcil an der חורה, die dort gepflanzt und gepflegt werden soll, beruht Ihre Hoffnung für die חורה״, die von dort ansgchen soll", wesentlich mit auf der Lehrwirksamkeit des Verfassers dieser Geschichte, ist es somit der Geist der Leichtfertigkeit, Unwissenschaftlichkeit, Ungründlichkeit, der Geist unerhörter Mißhandlung der thalmudischen Urkunden, der Geist der luftigsten Combination und eines thatwidrigcn Subjek-