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Jeschurun · 1856-01-01 · Heft 4 (Januar 1856) · p. 241

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 4 (Januar 1856)
Article
Ein Wort an Herrn Kirchheim
Date
1856-01-01
Page
241 (sequence 21)
Language
German
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Ein Wort «n Herrn Kirchheim, 241 ״delsüchtigen Recensenten verzeihen kann." — Wo habe ich mich dieses Verbrechens, schuldig gemacht? Wo steht in meinen Artikeln auch nur die leiseste Hindeutung ans die Beziehung des Herrn Grätz zu der Lehranstalt in Breslau? Wo auch nur eine Sylbe, die Sic berechtigt hätte, mich öffentlich eines so niedrigen Verbrechens anzuklagen? Wo haben Sic die Stirn hcrgenommen, Herr Kirchheim, mir diese niedrigste, schmutzigste Heuchelei anzudichten, sie in meine Schrift, sie in meine Brust hineinzucommentiren, hineiuznconjekturiren und eine eklatante. Erläuterung der Bvlksphrasc zu geben, was da heißt: ״zu lügen wie gedruckt"? Und wie? waren Sie so verlegen um das Motiv, das meine Feder geführt? Gilt denn die Sache nichts? Nichts der Schmerz um die Entstellung der Wahrheit? Nichts der Schmerz um den Vcrrath der heiligsten Sache? Nichts der Schmerz um die Entstellnng der Geschichte unserer großen Vergangenheit? Ihnen ist Wahrheit etwas anderes als mir, Ihnen ist etwas anderes heilig als mir, Ihnen ist Geschichte etwas anderes als mir — wohl I Aber da mir nun einmal das wahr und heilig und geschichtliches Faktum ist, was es mir einmal ist, und was ich ungeschminkt und offen und unvcrholen dargelegt, und mir nun das Grätz'sche Geschichtswerk als ein solches dasteht, in welchem mit der unbegreiflichsten Leichtfertigkeit und Ungründlichkeit die geschichtlichen Urkunden unserer Vergangenheit mißhandelt werden, in welchem aus luftigen Conjekturen, hineingedichteten Motiven, von vereinzelten, aufgehaschten, willkürlich interpretirten Sätzen nach subjektivem bon plaisir gebildeten Phantasien eine Geschichte der thalmudischen Lehrentwickelung, als Geschichte, als faktisch geschehene wirkliche Geschichte unseren Zeit ge- »offen geboten wird, die Schritt vor Schritt vor dem kundigen Einblick in die Geschichtsqucllen in ein trauriges Nichts zerfließt, ich sage, da mir nun einmal dieses Geschichtswerk als ein solches dasteht, da genügte das Interesse an der Sache, au der Wahrheit, an der Wissenschaft, an der Geschichte, und an der großen heiligen Sache unseres Judenthums, die durch alles dies so tief berührt wird, da genügte dieses große allgemeine Interesse nicht, mir die Feder in die Hand zu geben, dieses Gcschichtswcrk Schritt vor Schritt zu prüfen und den Zeitgenossen mit meinen Beweisen in der Hand darzulegen, wie mir diese so genannte Geschichte erschien, da genügte dieses große sachliche Interesse nicht, nein, da muß Herr Kirchheim sich noch nach den kleinlichen persönlichen Interessen des Neids und der Ruhmesverkleinerung und der Verdächtigung einer Anstalt umsehen!!! Ihr Interesse an dem Grätz'schen Geschichtswerk ist mir nun völlig klar. Sie würden es ganz so wie er geschrieben haben. Sie üben an lebenden Zeitgenossen ganz so die luftige Conjekturalkritik wie er sie über die Gräber der Verstorbenen handhabt. Die

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