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Jeschurun · 1856-01-01 · Heft 4 (Januar 1856) · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 4 (Januar 1856)
Article
Ein Wort an Herrn Kirchheim
Date
1856-01-01
Page
239 (sequence 19)
Language
German
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Ein Wort an Herr» Kirchheim. 239 senschaftliche Forschung gesicherte Basis für die Zeitansichten über Judenthum ausgegeben wird. Wir würden uns darüber freuen, wir haben des kein Hehl. Aber wir rufen jeden Redlichen zum Zeugen, ob wir in unseren Artikeln je den Boden wissenschaftlicher Beweisführung verlassen, ob wir je den Charakter der Konsequenzen aus den Grätz'schen Darstellungen als Motive unserer Verurtheilungen gebraucht, ob wir auch nur einen unserer Sätze als unmotivirte Phrase um uns geworfen, ob wir auch nur Eine solcher Verdächtigungen und Andichtungen uns gegen den vr. Grätz haben zu Schulden konimen lassen, wie deren eine so reiche Fülle sich Herr Kirchheim gegen uns erlaubt! Wir legen ruhig unsere Artikel und Herrn Kirchheims Pamphlet vor die Augen der Oeffentlichkeit und fragen kühn: Wer ist hier der verketzernde und verdächtigende Großinquisitor, wir, oder — Herr Raphael Kirchheim? Denn wahrlich, es giebt einen Fanatismus der Verneinung so gut wie der Bejahung, es giebt Großinquisitore des Unglaubens so gut, wie des Glaubens. Jeder, der die Ansicht des andern verdämmt und verdächtigt, blos weil sie mit seinem Dogma nicht übereinstimmt, sei dies nun das bejahende, oder das verneinende Dogma, verketzert, — und Jeder, der dem Andern schmutzige und unsittliche Motive andichtet, thue er dies im vermeintlichen Dienste der rechten oder llnken Seite, ist ei» öffentlicher Verläumder. Soll denn nun einmal von dem heutzeitigen Fanatismus, von der Zionswächterlichen Verfolgung, Verketzerung, Verdächtigung im heutigen Israel die Rede sein — und nicht wir sind es, die dieses Thema zum Thema gegeben — so fragen wir einmal offen, so fragen wir einmal laut, auf welcher Seite wohnt denn der Fanatismus, die Verketzerung, die Verfolgung, der unduldsame Druck und die gewissenknechtende Tyrannei? Wohnt sie bei Denen, die nun seit mehr als dreißig Jahren ihre den alten Heiligthümern treu gebliebenen Brüder verfolgt, beengt, beschränkt, gedrängt, ihre Heiligthümer in Schrift und Rede herabgewürdigt, als unsittliche Verfinsterung verdächtigt, ihnen ihre Gotteshäuser unzugänglich, ihnen die Erfüllung ihrer religiösen Psticht, den Unterricht und die Erziehung ihrer Kinder nach ihrem Gewissen unmöglich gemacht, ihren staatlichen Einfluß und ihre bürgerliche Stellung zu unerhör-

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