Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Ein Wort an Herrn Kirchheim
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 234 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Ein Wort an Herrn Kirchheim. ״mondes und der Festzeiten an die Anwesenheit des Synhedrivns ״in der Tempelhalle gebunden war, wie es der Recenseut glauben ״machen will; Grätz berichtet nur die Th at fache, daß nach dem ״Falle Jerusalems Jabneh der geistige Centralpunkt des Judenthums ״wurde, daß dort in der Regel der Neumond und die Festzciten be- ״stimmt worden sind, und wenn Grätz hier sagt, ״dem Gerichtshöfe ״allein übertrug R. Jochanan das Kalenderwesen", so braucht er ״,doch wahrlich nicht die Einsetzung eines Schaltjahres damit gemeint ״zu haben, und die ganze weitschweifige Declamation des Recensenten ״ist daher nur eint nicht zu rechtfertigende Verkleinerungssucht." — Es ist ganz schon wenn der Vertheidiger seinen Klienten selbst auf Kosten der Wahrheit zu retten sucht und dabei dem Gegner allerlei Artigkeiten ins Angesichte schleudert. Der Klient wird es ihm Dank wissen. Allein die Welt nennt einen solchen Vertheidiger — zumal wo es gar nicht der Rettung einer Person, sondern der Wahrheit und Wissenschaft gilt — einen Rabulisten. Wie'Z Die ganze Mähr, mit welcher die sogenannte Geschichte der Juden den R. Jochanan ben Sakkai als Reformator und Regenerator des Judcuthums darzustellen sich bemüht, wurzelt in her Lüge, die Zeitgenossen, hätten die ganze Fortexistenz des Judenthums an die Existenz des Tempels gebunden geglaubt, und gipfelt in den Sätzen: ״das Synhedrion und dessen Funktionen ״galten bis dahin selbst nur als ein wesentlicher Theil des Tem- ״pellebens und ohne dessen Bestand gar nicht denkbar. ״R. Jochanan löste also die Syn hedrialfunkt ionen vonaher ״Tempelstätte ab und übertrug ste auf Jabneh. Ohne ״daß dieser Akt irgendwo Widerspruch gefunden hätte, vertrat ״Jabneh von nun an Jerusalem ganz und gar, es wurde ״der religiöse und nationale Mittelpunkt für die zerstreuten Ge- ״meinden. Die wichtigste Funktion des Synhedrion, wo- ״durch es zunächst bestimmend und vereinigend auf die auswärtigen ״Gemeinden wirkte, nämlich die Anordnung des Neumonds ״und der Festzeiten,, ging von Jabneh aus. Es sollte die ״meisten religiösen; Vorrechte der heiligen Stadt genießen u. s. w." Und da wäre nicht gesagt, die Anordnung des Neumondes und der Festzeiten wäre ursprünglich an die Anwesenheit des Synhcdrions in der Tempelhalle gebunden gewesen, und habe nun nur durch