Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Ein Wort an Herrn Kirchheim
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 226 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932821-2932826-2939347--01222-2939422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
226 Ein Wort <ut Herrn Kirchheim. Bcgründun g dieser fixen Vernunft-Historia genügt das kleinste Sandkorn, die leiseste von einem Spinnenfuß eingedrückte Spur. Zst aber etwas diesem im voraus fertigen Schema unbequem, so erklärt man es frischweg als eine Privatmeinung und die Quell? als apokryph. Der historisch-kritische Historiker bedarf zum Ausgangspunkt seines historischen Schemas des Faktums, daß in einer gewissen Zeit, e. g. zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels, die Herrschcnde Meinung gewesen, die ganze Befugniß der obersten Religionsbehörde sei an deren Sitz in der Tempelhalle gebunden, außerhalb des Tempels sei die Existenz des Synhedrions und seiner Funktionen nicht weiter denkbar. Thor aber nun, nach Herrn Kirchheim, der nun verlangte, es solle nangewiesen werden, daß über- Haupt, und daß insbesondere zur Zeit, von der die Rede ist, eine solche Meinung vorhanden, ja herrschend gewesen! Freilich enthalten die historischen Quellen, und das sind hier allein nur die thalmudischen, auch nicht eine einzige Thatsache für diese Annahme, freilich, ergiebt sich aus ihnen gerade die entgegeng esetzte Ansicht, daß nämlich nur in dem Gipfelpunkt seiner Befugniß, in der Ausübung der Todesstrafe überhaupt und an dem seiner Entscheidung zuwider lehrenden Gesetzlehrer insbesondere, das Synhedrion an den Sitz in der Tcmpelhalle gebunden war. Was thut's! Herr Kirchheim schlägt die Bibel, Deuteronomium 17,8—13 auf, und beweist aus der Bibel — daß zur Zeit des R. I. b. S. die in Frage stehende Meinung herrschend gewesen! Dort stehe ja diese Meinung mit deutlichen Worten verzeichnet! Mit deutli ch e n Worten, Herr Kirchheim, d o rt die B e stim m un g, d aß außerhalb der Tempelhalle das Synhedrion alle Befug- «iß verliere? Wie? wenn dort nur von dem Synhedrion vorausgesetzt wird, daß es feinen Sitz im Tempel habe, (ja, der Ausdruck: der von deinem Gotte erwählte Ort, bezeichnet in der Bibel nt cht einmal immer nur den Tempel, sondern auch ganz Jerusalem ist darunter verstanden, siehe: Deuter: 12,18. 14,23, 24, 25. 16,7, 11.) Wie? wenn höchstens der dort b espr och ene,specielleFall, der mit dem Tode zu bestrafende Widerspruch gegen eine Synhedrialentscheidung, sin diesen Ort gebunden wäre? Wir wissen, daß vom Thalmnd diese Bestimmung der Bibel also aufgefaßt und gelehrt wurde, und wüßten