Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 204 (sequence 7)
- Language
- German
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204 Geschichte der Juden von Dr. H. Grätz. Vierter Artikel. maischen Schule, deren charakteristisches Unterscheidungsmerkmal eben die Verwerfung der Hilleltschen Jnterpretationsregelu durch die Schule Schamai's bilden soll, so wird uns wiederholt berichtet: (Sotah 47b, Sanhedrin 88b, Toststa das. VII.) משרבו תלמידי שמאי והלל שלא שמשו כל צרכן רבו מחלוקות בישראל ונעשית תורה כשתי תורות. ״Erst seitdem eine Menge Schüler Hillels und Schamai's nicht hinlänglich um die in persönlichem Umgänge von ihren Meistern zu schöpfende Lehre sich bemüht, entstanden die vielen Meinungsverschiedenheiten in Israel und erhielt die einheitliche Thora das Ansehen zweier verschiedener Lehren." Hiermit ist aber gerade das Gegentheil dessen klar constatirt, was der Vers, tnsinuiren mochte. Nicht etwa, wie der Vers, vorgiebt, aus einer Grundverschiedenheit der Prinzipien, daß etwa die Schule-Schamai's, wie angeblich ihr Meister, fortgefahren hätte, die von Hillel gebrachte, Gseroth-schwangere Pandorabüchse der Jnterpretationsregeln zurückzuweisen, überhaupt nicht dadurch, daß etwa die beiderseitigen Schüler zu treu und zu ctznsequent das angebliche Prinzip und System ihrer beiderseitigen Meister fortgeführt und fortentwickelt, sondern im Gegentheil, daraus ist die Meinungsverschiedenheit der beiden Schulen hervorgegangen, daß ste zu wenig und zu unvollständig die Lehre ihrer Meister in sich ausgenommen. Wären sie vollendetere Schüler ihrer Meister gewesen, so wäre zwischen der Schule Hillels und der Schule Schamai's keine größere Meinungsverschiedenheit, als zwischen Hillelund Schamai selbst gewesen, von denen wir es sa wissen, daß sie nur in drei Fragen differirten, von denen zwei nicht einmal das Gesetz selbst, sondern rabbtnische Präventivbestimmungen betreffen. Der Verf. karakterisirt ferner die Schamaische Schule aus dem von ihm erfundenen Widerspruch derselben gegen die Anwendung der Herleitungsregeln wiederholt als eine solche, ״die sich immer nur auf eine autorisirte Ueberlieferung beruft, und wo ihr solche fehlt, keinen Schritt weiter setzt" (Frankel Zeitschr. 1852, S. 165.), deren ״Starrheit auch nicht ein Haarbreit weiter gehe, als der vorhandene Tradttionsstoff bestimmt, und dem selbstständigen Forschen kein Jota einräumen wollte" (Gesch. d. I. S. 493). Demgemäß würde also zur Karakteristik der Hillelischen Schnle der Scharfsinn, die logischen Operationen des schließenden und urtheilenden Verstandes und der denkenden Vernunft gehört haben, die Schule Schamai's sich aber