Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1856)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1856-01-01
- Page
- 200 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Geschichte der Jaden vonvr. H. Gräh. Vierter Artikel. begründeter Forschung zur Seite stehe. Und selbst bei einem Schriftsteller, der uns leider bereits gewöhnt, auA jede Spur gründlich wissenschaftlicher Forschung verzichten zu müssen, selbst bei einem solchen Schriftsteller Hütten wir von einem solchen Gedanken, der die Basis und den Ausgangspunkt seiner ganzen Arbeit bildet, doch erwarten sollen, daß, wenn der Gedanke auch nicht wahr, er doch mindestens wahrscheinlich, und wenn nicht wahrscheinlich, er doch mindestens möglich sei, und wenn ihm auch die Möglichkeit abgehe, er doch wenigstens nicht durch offenbare darliegende Fakta widerlegt sei, und wenn ihn auch die Thatsächlichkeit offenbarer, darltegender Fakta einer vollendeten Nichtigkeit überwiese, er doch wenigstens irgend Etwas für sich aufzübringen hätte, und wäre es auch nur eine nach der uns schon bekannten Manier des Verf. verstümmelte, und für seine Zwecke mißbrauchte Beweisstelle — diese Anforderung ist doch wahrlich nicht übertrieben. Was sollen wir aber dazu sa^cn, wenn ein solcher, die ganze Arbeit eines Autors tragender Satz nicht nur nicht wahr sondern nicht einmal wahrscheinlich, ja nicht einmal möglich ist, und nicht nur unmöglich ist, sondern durch die vollen darliegenden Akten des talmudischen Quellcvkreises Lügen gestraft und sich dafür auch nicht/ einmal der Halt eines Scheinbcweiscs von der Stärke eines Spinncfadcns auffinden läßt! Dabei handelt es sich hier ja nicht um die Ansichten irgend einer dunkeln, unbekannten philosophischen Schule, deren System wir etwa aus einigen wenigen abgerissene», vom Zufall uns erhaltenen Sätzen uns zu construiren hätten, und wo daher die Phantasie und die subjektive Willkühr allen möglichen Spielraum hätten. Es handelt sich um die Grundansicht der Schulen Hillel's und Schamai's, deren Sätze in reicher Fülle und in klarer Durchsichtigkeit von den talmudischrn Quellen aufbewahrt sind. Wie tief muß die Zeit auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Wissenschaftlichkeit stehen, der man es wagt, Sätze der bodenlosesten Erdichtung von solcher Tragweite mit' der kühlsten Ruhe ins Angesicht zu schleudern! Sehen wir uns die Sache einmal in den Quellen an und prüfen wir sodann, was der Vers, darüber zu sagen für gut befunden hat. Also Schamai und seine Schule hätten prinzipiell gegen die Geltung der מרות שהתורה נדרשת בהן, gegen die Geltung der Znterpretaitonsregeln