Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-12-01
- Page
- 160 (sequence 5)
- Language
- German
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160 Geschichte der Inder, von vr. H. Grätz. Vierter Artikel. Gesetzbestiminungen dastehen, die eben nur der Anwendung dieser Regeln ihr Entstehen verdanken! Wo bliebe der göttliche Werth dieser Gesetzbestimmungen, wenn als deren Quelle nicht sinaitische Tradition, sondern menschliche, Hillelische Erfindung dastehen würbe, — wenn die sinaitische Tradition nur noch, wie wir am Schluffe sehen werden, an dem Spinnefaden fingirter Hypothesen gerettet werden könnte, — wenn vor Allem, was jetzt eine Basis unserer religiösen Ueberzeugungen bildet, sich erst nach jahrhundertlangem Kampfe widerstreitender Schulen die allgemeine Geltung errungen!!! Nicht aber um, wie man in andern Kreisen sprechen würde, über die dogmatische Rechtgläubigkeit des Verf. zu richten, haben wir an die hohe Geltung erinnert, die diese ״Regeln" im Kreise der jüdischen Lehre einnehmen, sondern einfach um die hohe Bedeutung des Gegenstandes zu vergegenwärtigen, den der Verf. mit dem kurzen Satze in seinen tiefsten Wurzeln antastet, den wir au die Spitze dieses Artikels gesetzt, und um den Grad des Ernstes, die Tiefe der Begründung, die faktische Thatsächlichkeit der Gründe zu bezeichnen, die wir von einer Behauptung zu fordern berechtigt sind, durch welche ein Grundsatz im höchsten Grade bedroht würde, der eine der Grundsäulen der jüdischen Gesetzverehrung bildet. Denn das Recht hat die Wissenschaft — selbst als Wissenschaft zu fordern. Sei unsere dogmatische Ueberzeugung, welche sie wolle. Ist der Wissenschaft das kleinste Jota nicht zu geringe, fordert sie, und mit Recht, den vollen Ernst der Forschung und die gewissenhafteste Gründlichkeit und die sorgfältigste Erwägung aller in thatsächlicher Wirklichkeit gegebenen Fakta, ehe auch nur über den gleichgültigsten Punkt ein wissenschaftliches Urtheil ausgesprochen werden darf: welchen Ernst, welche Gründlichkeit, welche sorgfältige Erwägung aller vorhandenen Data hat sie da zu fordern, wo ein Satz von der Tragweite des unfern- Betrachtung vorliegenden Satzes ausgesprochen werden soll! Und der Verf. ist sich der Tragweite und der Bedeutung seines Satzes vollkommen bewußt. Die Jugend , der hillelische Ursprung der ׳,מדות שהתורה נדרשת בהן und insbesondere der schamaitische Widerspruch dagegen bildet den rothen Faden, an dem sich die ganze Darstellung seiner angeblichen Geschichte der thalmudischen Lehre abwickelt. Er kommt wiederholt und immer daraus zurück,