Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 100 (sequence 12)
- Language
- German
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100 Geschichte der Juden von Dr. H. Grätz. Dritter Artikel. sich die Höherschätzung des einen Lehrzweiges vor dem andern in der Controverse (um Feststellung religiöser NormenI) verrätste! R. Huna, R. Elasar und R. Joch an an besprechen (Berachoth 11 b.) die Frage: vor der Beschäftigung mit welchem Lehrzweige B'rachah zu sprechen sei. Und wenn nun R. Huna lehrte! nur vor Mikra, R Elasar: nur vor Mikra und Midrasch, R. Jochanan: nur vor Mikra, Midrasch und Mischnah sei B'rachah zu sprechen, so seien, nach dem Vers., diese Aussprüche nicht aus einer verschiedenen logischen Verstandesoperation, nicht aus einer verschiedenen Auffassung des Begriffs der B'rachah, des betreffenden Lehrzweigs, und ihrer Beziehungen zu einander, auch nicht vielleicht aus einer Verschiedenheit recipirter Ueberlieferung zu erklären, sondern jeder dieser Gesetzgeber würde bei seinem Ausspruch einfach durch bie subjektive Vorliebe geleitet, die er für den einen oder andern Lehrzweig hegte. R. Huna schätzte Mikra über Alles, darum wollte er nur davor B'rachah gesprochen haben, R. Elasar ließ sich auch noch Midrasch gefallen, schloß aber Mischnah aus, R. Jochanan war auch ein Freund der Mischnah und forderte auch hierfür B'rachah, Alle aber perhorrescirten sie den Talmud! ״Daß aber auch der Talmud darunter zu subsumiren sei, davon hatte man in Judäa keine Ahnung, erst Raba, das non plus ultra, der talmudischen Dialektik vindicirt demselben die Gleichberechtigung!" Lassen wir jedoch die Manier, sehen wir ob diese pragmatischkritische Schlußfolgerung auch nur möglich seil Nach dem Vers, hätte also R. Huna der Beschäftigung mit dem schriftlichen Worte vor allem Andern den Vorzug eingeräumt, Alle aber, auch R. Elasar und R. Jochanan, den Talmud hintangesetzt! Schade, daß dieser, von der Werthschätzung des Talmuds am meisten entfernte R. Huna, ein babylonischer Gesetzlehrer war, schade, daß die Beschäftigung mit Mikra nach allgemeinster Ansicht nur;מידה ואינה מירר war, wir nur in Jeruschalmi Horioth Ende einmal finden: ורבנן עננרין מקרא כמשנה, ihm aber nirgend ein Vorzug eingeräumt wurde, vor Allem aber Schade, daß wir schon oben aus R. Elasavs Munde gehört, daß man trotz Kennt« iß der Schrift und der Mischnah ohne Talmudkunde ein Am- Ha-arez sei, und uns ebenso bereits R. Jochanan gelehrt: Talmud habe den Vorrang vor Mischnah (Siche oben), so-