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Jeschurun · 1855-11-01 · Heft 2 (November 1855) · p. 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 2 (November 1855)
Article
Geschichte der Juden [Rezension]
Date
1855-11-01
Page
94 (sequence 6)
Language
German
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94 Geschichte der Juden von Dr. H. Grätz. Dritter Artikel. gleicher Weise gepflegt. Zu Zeiten wurde der Eine mit Vernachlässigung der Andern bevorzugt, die Träger der Lehre hatten theils für den Einen, theils für den Andern eine besondere Vorliebe,, und es bildet einen durchgehenden Unterschied zwischen Judäa und Babylonien, daß in dem ersten der Talmud in seiner Schärfe kaum gewürdigt wurde, während er in dem letzter» das Lieblingsstudium geworden war. Vergleiche die interessante Nachricht: שבקו כולו עלמא למחניחא ואזלו בחר תלמורא תדר־ דרש להר ר׳ לעולם הוי רץ למשנה יוחר מן התלמוד. Interessant ist es, wie sich diese Höherschätzung des einen Lehrzweigcs vor dem andern in der Controverse verräth. Es handelte sich einst um die Eulogie vor der Beschäftigung mit der Thorah (ברכת התורה), wobei der Eine unter תורה nur Mikra verstanden haben will, der Andere zieht auch Midrasch mit hinzu, weil sich : derselbe doch an das Schriftwort anlehnt, ein dritter will die Halacha nicht ausgeschlossen wissen, obwohl sie von der Schrift ganz losgelöst ist: אמר ר' הונא למקרא צריך לברן״ למדרש אין צריך לברך ור׳ אלעזר אומר למקרא ולמדרש צריך לברך למשנה אין צריך לברך (ירושלמי: להלכות אין צריך לברך) ,ור' יוחנן אמר אף למשנה להלכות) צריך לברך). Daß aber auch der Talmud darunter zu subsumiren sei, davon hatte man in Judäa keine Ahnung, erst Raba, das non plus ultra der talmudischen Dialektik, prädicirt demselben die Gleichberechtigung: ורבא אמר אף לתלמוד צריך,לברך Berachvth 11, b. Alfaßi hat eine andere Lesart, welche das Verhältniß dieser Disciplinen durchweg verschiebt und Talmud höher anschlägt als Midrasch, obwohl dieser der Schrift um, Vieles näher steht. Diese Leseart erweist sich aber eben dadurch als corrupt." Alles was hier über Talmud gesagt ist, so wie die zuGrunde gelegte Definiten desselben, ist durch und durch falsch/ Talmud, תלמוד bestand nicht, wie der Vers, wiederholt defintrt, in der Ableitung und Folgerung neuer Fälle, sondern seine wesentlichste Bedeutung hatte derselbe in Erklärung und Erläuterung der in den Halachoth und Mischnijoth gegebenen Gesetzüberlieferungen. Kurz, und meistens in konkreten Fällen veranschaulicht, überlieferten die Mischnijoth das empfangene mündliche Gesetz, und retheten so synthetisch Satz an Satz. Diese speciellen Fälle analytisch in die zu Grunde liegenden Normen aufzulosen, die מעמים, die Motive der Mischnijoth aufzufinden, aus dem Speciellen das

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