Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 93 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Lehre zur Zeit N. Jochanan V. Sakkai's 93 Zur Würdigung der Lehrthätigkeit des R. I. b. S. schickt der Vers. S. 17 und 18 eine Charakteristik der zur Zeit des R. I. b. S. in Halacha, Midrasch und Talmud zerfallenden Lehre voran, und sagt hinsichtlich des Letztern: ״Die dritte Art war, die Regeln der ״Schriftanslegnng" auf Grund vorhandener Gesetzesbestimmungen unter gewissen Umständen ans ״neue" Fälle anzuwenden. Dieses Verfahren der ״An- Wendung" und ״Folgerung" hieß Talmud im engern Sinne. Die Herleitungsregeln waren aber zu der Zeit weder fest noch allgemein gültig. ״Die sieben Regeln, welche Hillei zuerst aufgestellt hatte," fanden bei Schamai und seiner Schule Widerspruch". Die talmudische Lehrweise erforderte vermöge ihrer Eigenthümlichkeit, aus gegebenen Halachas neue Resultate zu ermitteln, mehr Gedankenarbeit, sie erweckte die logischen Operationen des Geistes und schärfte den Verstand, sich in neue Gedankenkreise leicht hinein zu finden." Die Note 2, b. S. 488 fügt hinzu: ״Der Midrasch (die gegebene Halacha aus dem Schristwvrte nach gewissen Regeln herznleiten), das Produkt der Hillel'schen Schule, erzeugte bald einen neuen Lehrtropus. Neue Fälle, welche weder durch das schriftliche Gesetz noch durch die Tradition bestimmt waren, wurden nach der Analogie des bereits vorhandenen Halachastoffes, nach den ״von Hillel eingeführten" Deutungsregeln (מדוח '*) abgeleitet und gefolgert." Bei dieser Operation war erforderlich, tiefer auf die Objekte der Gesetze und der zu vergleichenden Fälle einzugehen, ihre Theile und Seiten einer schärfern Analyse zu unterwerfen und Wesentliches von Zufälligem zu unterscheiden: רהוה מפרשין ביה חקא רמחניתא, wie sich Scherira darüber ausdrückt. Dieses Verfahren, den Midrasch .auf Folgerungen neuer Bestimmungen anzuwenden, hieß später תלמוד, in Babylonien גמרא in Judäa auch אולפנה, und wird von משגה oder מהגיהא unterschieden. Mit Recht beweist Scherira aus den Stellen ,ר' יהודה אומר הוי יהיר בתלמוד und העוסק בתלמוד אין לך מרה גדולה מזו, daß diese Disciplin bereits vor R. Akibah in Gebrauch war אפילו ראשוני ראשונים הוה אית להון תלמוד, wiewohl andrerseits nicht zu leugnen ist, daß der Talmud erst durch R. Akiba's Theorie seine Ausbildung erhalten und später in den babylonischen Metiba's zur geistreichen Dialektik erhoben wurde. Diese drei Zweige, Halacha, Midrasch und Talmud, wurden aber nicht in