Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 2 (November 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-11-01
- Page
- 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Geschichte der Juden von Or. H. Gräh. Dritter Artikel. Geseßerfüllungen und sind somit die unmittelbarsten Zeugen für die bewunderungswürdige Gemüthsruhe und, unerschütterliche Geistesklarheit der Zeitgenossen jener beispiellosen Katastrophe, zugleich aber auch für den durchaus selbst durch einen so überwältigenden, politisch an Vernichtung glänzenden Zeitenwechsel unerschüttert gebliebenen Zustand des jüdisch-religiösen Lebens! Denn wahrlich, die Zeit muß das ganze übrige religiöse Leben auf völlig ungefährdeter, sicherer Basis erblickt haben, die Zeit und Muße finden konnte, des Lulaws und der Priestersandalen, der Fruchtauslösung des vierten Jahres und des Proselytenopfers, ja auch selbst jener Bestimmungen hinsichtlich der Neumondszeugen u. s. w. zu gedenken. Denn selbst diese Bestimmungen waren ja keineswegs solche, die etwa die Erhaltung dieser Mizwoth im Ganzen zu sichern gehabt hätten, sondern betrafen nur einzelne Modalitäten der Praxis« Dabei vergesse man nicht, daß diese Thekanoth noch unter dem unmittelbaren Eindruck des staatlichen Zusammensturzes getroffen worden waren. Wir möchten sagen, Jerusalems Trümmer rauchten noch, und das Siegesgeschrei der Römer war noch nicht verhallt, als Rabbi Jochanan ben Sakkai und seine Genossen in Jabneh die Ruhe des Geistes und des Gemüthes hatten, diese Einrichtungen zu treffen! Denn aus R. Hasch. 31, b. und Sanhedrin 41, a. ist ersichtlich, daß R. J^ b. S. nicht mehr lange nach der Zerstörung Jerusalems gelebt. Aeltere Annahmen, Raschi R. Hasch. 31, b. und Thosafoth, Sabbath 45, b. sprechen sogar nur von einem oder zwei Jahren. Auch der Verf. erkennt ihm S. 27 höchstens 10 Jahre zu, meint aber, daß 1 bis 3 Jahre viel zu wenig für seine umfassenden Leistungen wären, vergißt jedoch, daß wir außer den gedachten neun Einrichtungen von seiner Wirksainkeit nach der Zerstörung kaum ein Mehreres wissen und ohnehin seine so bedeutende vierzigjährige Lehrthätigkeit zum bei weitem größten Theile vor die Zerstörung fällt. Dies jedoch dahin gestellt, ist jedenfalls klar, daß die ganze Schilderung, die uns der Verf. von der Zerrüttung der religiösen Zustände und von der regenerirend reformatorischen Thätigkeit R. I. b. S.'s giebt, durch eine einfache Würdigung jener von ihm herrührenden Einrichtungen ihre vollste Widerlegung findet. Gehen wir weiter.