Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 56 (sequence 10)
- Language
- German
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56 Geschichte der Juden von Dr. H. Grätz. folgte ihm und sah den Tempel in Trümmern. Wehe nns, sprach R. Josua, nm diesen zertrümmerten Tempel, die Stätte an welcher Israels Sünden gesühnt werden! Betrübe dich nicht darum, mein Sohn, entgegnete ihm R. I. b. S., wir haben eine Sühne, die ihr gleich steht, die Mildthätigkeit, von der cs heißt, denn ich habe Mildthätigkeit verlangt und nicht Opfer." Also Ein Jünger sieht in Begleitung des Meisters gelegentlich einmal die Trümmer des Tempels, und der Anblick dieser Trümmer weckt einen Seufzer in der Brust des Jüngers über die Zerstörung der Stätte wo Israels Sühne vollbracht werden soll — Das ist die ״Verzweiflung" ״der Jünger" über den drohenden Untergang des ״Wesens" des Jndenthumsü So amplificirt und generalisirt diese Geschichte Alles, und dies ist das zweite Hauptgebrechen dieses Geschichtswerks. Jedes einzelne Faktum ist ihr nur ein Exempel. Wird irgendwo von einem Rabbiner! erzählt, er habe einmal Dies oder Jenes gethan, so berichtet die Geschichte: der Rabbi — — pflegte so und so zu verfahren, unter Andern that er cininal — — So auch hier. Der Eine Jünger wird zum Collectivum der Jünger, damit der Meister mit der freien Ansicht um so mehr hervorrage. Der gelegenliche Seufzer — wird zur Verzweiflung. Der Verlust der Opfersühne — zum Untergang des Wesens des Judenthums! Und wer war dieser einzelne״ verzweifelnde" Jünger? Rabbi Josua, eben der Rabbi Josua, von dem uns Dada bathra 60, 2. erzählt, daß, als nach der Zerstörung des Tempels eine groß« Anzahl im Volke ihrem Trauergefühle durch Entsagung alles Fleisches- und Weingenusses Ausdruck zu geben anfingen, er, R. Josua, es war, der diesem Uebermaßc der Trauer entgegen getreten! Eine ruhige Erwägung würde ja auch, soll überhaupt aus jener Stelle in Abot di R. N. auf die Wirkung geschlossen werden, die durch, die Zerstörung des Tempels in den Gemüthern der Jünger des R. I. b. S. hervorgerufen, gerade ans dieser Stelle mit besserem Fug daS Gegenthcil geschlossen haben. Daß dieser Seufzer erst durch den gelegentlichen Anblick der Tempelruincn hervorgcrufen worden, beweist ja klar, daß der Schmerz um den Untergang des Tempels im sonstigen gewöhnlichen Leben nicht, eben überwäl-