Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 54 (sequence 8)
- Language
- German
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54 Geschichte der Juden von vr. H. GrLtz. Erzählung des Verfassers S. 225 dem Patriarchen R. Schimeon b. Gamaliel gegenüber unversöhnlich blieb, und ebenso von Bar Kappara, trotz seiner satyrischen Ader uns dort die trefflichsten Lehren über den hohen Werth des Friedens aufbewahrt sind. Oder wir würden darauf Hinweisen, wie den angeblichen Friedensstiftungsversuchen des R. I. b. Sakkai gegenüber, das Volk und di« Zeloten ihm seine eigene Lehre über den hohen unveräußerlichen Werth der Freiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit hätten entgegen halten können! Wie, hätten sie ihm sagen können, wir sollen uns gefügig der römischen Gewaltherrschaft beugen, sollen lediglich um des Friedens willen, den freien Nacken vom Römerjoch« knechten lassen, hast du uns nicht selbst gelehrt: (Kiduschin 23 und Jalkut MischpatinJ darum werde dem Freiheit verscherzenden Juden das Ohr gebohrt, weil eben das Ohr am Sinai vernommen: Meinem Dienste gehören Israels Söhne, meine Diener sind sie, und da soll der Jude hingehen und sich freiwillig zum Sklaven eines Sterblichen machen? Was soll aber auch überhaupt die Friedfertigkeit hier! Sei R. I. b. Sakkai der friedfertigste Mensch von der Welt gewesen, — und wir haben wahrlich keinen Grund, an der Friedfertigkeit seines Charakters zu zweifeln — sieht der Verfasser nicht, fühlt er es nicht, welche Schmach und Jämmerlichkeit er mit dieser Motivirung seinem talmudischen Heros andichtet! Um das welthistorische Geschick seines Volkes, um die Selbstständigkeit und Freiheit seiner Nation fielen die Würfel und — R. I. b. Sakkai, der Träger und Retter der jüdisch nationalen Zukunft — horcht auf den Friedensapostel in seiner milden Brust! Hinz und Kunz haben einen Bierhausstreit und der friedfertige Peter, der den lauten Streit, und die zerbrochenen Gläser und die blutig geschlagenen Gesichter nicht vertragen kann, tritt dazwischen: um des lieben Friedens willen, ihr Nachbarn, vertragt euch doch und seid ruhig! War denn der Vers, in solcher Verlegenheit um das Motiv, welches R. I. b. S. für den Frieden mit den Römern stimmte, daß er diesen jüdischen Mann zum jämmerlichen Schwächling entstellt? ״Warum wollt ihr die Stadt zerstören und den Tempel dem Feuer preisgeben?" sprach er — nach des Verf. eigenem Citat — zu den Führern der Revolution und war damit nicht Alles gesagt? R. I. b. S. erkannte