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Jeschurun · 1855-10-01 · Heft 1 (Oktober 1855) · p. 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 1 (Oktober 1855)
Article
Geschichte der Juden [Rezension]
Date
1855-10-01
Page
51 (sequence 5)
Language
German
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Erster Artikel. 51 Bewußtsein klar gemacht werden soll, die mit ihren Consequenzen ״och tief in die lebendige Gegenwart hereinragen, ja die noch die wesenhafteste Basis eines ganzen religiösen Volkslebens niit allen seinen individuellen und gesanimtheitlichen Entwickelungen bilden. Wie der Verfasser dieser Geschichte richtig erkannt hat, bildet die jüdische Literaturgeschichte den eigentlichen Kern der jüdischen Geschichte, zu welchem sich die äußere politische Leidensgeschichte der Juden nur wie die leider bittere Schaale verhält. Mit diesem Kerne haben wir es auch hier nun vorzüglich zu thun und lassen die in diesem Geschichtswerke enthaltenen Schilderungen der politischen Seite der jüdischen Vergangenheit für jetzt noch abseit liegen. Der uns vorliegende, die talmudische Periode umfassende Band dieser Geschichte enthält eine Reihe von Charakterbildern aller derjenigen Persönlichkeiten, die als die vornehmsten Träger der talmudischen Ueberlieferungslehre hervorragen. Der Vers, gibt überall eine bestimmte Charakteristik der Lehrwirksamkeit dieser Persönlichfeiten und bemüht sich, dadurch einen Pragmatismus der von ihm zu schildernden Geschichte der jüdischen Lehre zu gewinnen, daß er die Motive zu de« von diesen Persönlichkeiten überlieferten und verbreiteten Lehren und Lehrweisen nicht in der Objektivität des von ihnen empfangenen und durch sie weiter getragenen Gesetzes erkennt, sondern sie ans der Subjektivität ihres Temperamentes, ihrer psychologischen Anlagen und ihrer — von dem Verf. übrigens größtentheils aller egoistischen Färbung entkleideten — hierarchischdiplomatischen Bestrebungen hervorgehen läßt. Sie sind ihm nicht Träger, sondern Schöpfer der Tradition — und die talmudische Lehre, die in allen den Exilsjahrhunderten herab die jüdische Vergangenheit als lebengestaltendes Gesetz getragen, ist nichts als das Produkt der jeweiligen Teniperaments- und psychologischen Begabtheit jener besondern Persönlichkeiten nnd der jeweiligen Geltung, welche die eine vor der andern unter den Sympathien ihrer Zeitgenossen gefunden. Die dogmatische Würdigung dieser Ansicht von Tradition, die eigentlich Nichttraditivn, oder nur abwärts, nur so viel Tradition ist, als auch heute noch jeder Lehrer seinen Schülern tradirt, aber nicht aufwärts Tradition ist, nicht vom Sinai empfangene Tradition ist — die dogmatische Würdigung dieser Ansicht überlassen wir 4*

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