Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 50 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Geschichte der Juden von vr. H. Grätz. voll Geigen, darum waren die Menschen Me so freundlich u. s. w. u. s. w., ja, der sich in diese Phantasien so fest hinein gelebt, und sie für so volle Wahrheit hielte, daß er um der lieben Vollständigkeit willen, wo ihm zu einem Portrait die Notiz einer Chronik, oder zu einer Notiz ein Portrait, oder hie und da auch Beides fehlte, frisch weg aus der Zettennotiz ein Portrait, und zum Portrait eine Zeitennotiz zu entwerfen, und wo ihn beides fehlte, die Lücke phantasiereich zu Überdrücken verstand — denken wir das Alles zusammen — so haben wir die Geschichte der Juden von Vr. H. Grätz. Die obigen Zeilen wurden bald nach Erscheinen dieser Geschichte einem Freunde geschrieben, der um meine Ansicht über den Werth dieses Buches gebeten hatte. Es war dies der Eindruck, den diese Schrift nach einem einmaligen Durchlesen machte, ohne daß bereits die darin niedergelegten Ansichten und Schilderungen mit den zu Grunde gelegten Daten und den Quellen im Einzelnen geprüft worden waren. Auch nur ein flüchtiger Einblick in diese sogenannte ״Geschichte der Inden" sagt Jedem, der auch nur einigermaßen mit dem Schriftthum vertrant ist, aus welchem sie geschöpft sein will, daß hier mehr Dichtung als Wahrheit vorliege und das Ganze ein leider nicht überraschendes Phantasiestück jener oberflächlichen Combinationsmanier bilde, die unsere Zeitgenossen ״Wissenschaftrchkeit" nennen. Ich habe seitdem diese Schrift im Einzelnen aus den Quellen geprüft und hat sich mir dieselbe, — ganz abgesehen von dem religiösen Systeme״ das ihr als Grundanschauung zur Basis dient und dem ihre Ergebnisse als Stützpunkt dienen sollen,— rein von dem Standpunkte der Wissenschaft, als ein Produkt der verwerflichsten Leichtfertigkeit und der leichtsinnigsten Ungründlichkeit dargestellt, so daß es nur als eine heilige Pflicht erschienen, die Ergebnisse dieser Prüfung in ungeschminkter Thatsächlichkeit dem Publikum vorzulegen. Mögen die Redlichen aller Parteien richten, in wie weit in dieser Schrift der Wahrhaftigkeit und Gründlichkeit gehuldigt worden, welche die Grundbedingung einer jeden wissenschaftlichen Erscheinung bilden und deren Verletzung nie verderblicher sich rächt, als da, wo es sich nicht um die Würdigung der Antiquitäten einer bereits abgelebten geschichtlichen Erscheinung handelt, sondern wo historische Vergangenheit solcher Momente dem zeitgenössischen