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Jeschurun · 1855-10-01 · Heft 1 (Oktober 1855) · p. 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 1 (Oktober 1855)
Article
Geschichte der Juden [Rezension]
Date
1855-10-01
Page
49 (sequence 3)
Language
German
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Erster Artikel. 49 Denken wir uns nun einen Maler, dessen Sehwinkel die entgeg enge setzte Eigenst) ümlichkeit, die der Verkleinerung, von der Natur erhalten, der also ohnehin schon Alles mit diesem subjektiven verkleinernden Sinne erfassen würde, — denken wir uns ferner, daß dieser Maler nun eine ganze Reibe von Jahren hindurch Portraits skizzirt hätte, zu denen ihm aber nicht die Urbilder ordentlich gesessen, sondern zu deren Entwurf ihm irgend ein vereinzelter, zufällig zu seiner Anschauung gekommener und dazu noch vielleicht gar fluchtig und unrichtig aufgefaßter Zug irgend einer Persönlichkeit genügte, um mit schöpferischer Phantasie ex uiigLe leonem, aus diesem vereinzelten Zug den ganzen Mann zu construiren, ja, der in diesen Phantasieportraits seine Urbilder sixtrte wie er sie gerade ein einziges Mal, in einem unbewachten Momente des Affektes, der Stellung, der Beschäftigung erblickte, den Einen im Schlafrock, den Andern in Galla, den Einen spielend, den Andern denkend, lachend den Einen, weinend den Andern, zürnend Diesen, scherzend Jenen, entrüstet, hochmüthig, keck die Einen, niedergeschlagen, ängstlich, demüthig, verlegen die Andern, und somit das, was vielleicht nur einmal in ihrem Leben angeschlagener Ton auf der Gemüthsklaviatur seiner Urbilder gewesen, gleichsam als Grundton, als bleibenden Charakter seinen Phantasieportraits aufdrückte, — denken wir uns dann, daß nun nach Jahren dieser Maler seine vermeintlichen Portraitskizzen aus seiner Mappe vor uns hinbrettet, und sie uns nicht nur als wirklichc Portraits vorstellt, sich nicht mit dem Einen Jrrthum begnügt, uns den momentan abgelanschten _ Zug als Charakter darzustcllcn uns zu sage»: seht, Der war ein Lacher, Jener ein Jähzorniger, Dieser spielte immer, Jener war immer voll tiefsinniger Gedanken, dieser ging immer im Schlafrock, Jener war putzsüchtig u. s. w. u. s. w., sondern der zu diesem ungeheuren Jrrthum noch den tranrigern hinzufügte, seine Phantasiebilder nicht nur als Portraits von Individuen, sondern gar als Charakterbilder ihrer Zeiten darzustellen, und zu uns spricht: in dieser Zeit lachten die Menschen, in Jener waren sie betrübt, diese Zeit war hochmüthig, jene ängstlich bescheiden u. s. w. u. s w> — und wenn wir etwas ungläubig den Kopf schütteln, uns aus alten Chronikerl beweist, daß dies gar nicht anders sein konnte: Anno so und so waren die Kirschen saner, darum verzogen alle Menschen trübselig den Mund; Anno so und so hing der Himmel 4

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