Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1855)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1855-10-01
- Page
- 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Geschichte irr Juden von vr. H, GrLh. Maaßstabe wiedergäben. Das thue übrigens der Trene der Zeichunng keinen Eintrag. Wenn nur die Proportion der Theile untereinander richtig gefaßt mid wiedcrgegebcn werde, so werde die Zeichnung in jeder Dimension doch ein treues Abbild der Vorlage enthalten. Diese Eigentbümlichkeit unseres Freundes würde daher die Aehnlichkeit seiner Bilder noch nicht sehr beinträchtigen. Allein es sei mit dem Porträttren eine eigene Sache. Bei allen übrigen Gegenständen male vorzugsweise das sinnliche Auge, und die Bilder erhalten eine mehr und minder vollendete Objektivität. Allein den Menschen schaue der Mensch nicht' nur mit dem Auge. Es ist das Gemüth, das jeden Blick begleitet. Unwillkürlich gestalte sich bei jedem Anblick eines Menschen zugleich die Vorstellung einer geistigen Persönlichkeit , die wir vor uns haben in unserem Gemüthe, und dieses, größtentheils von Ab- und Zuneigung begleitetes Gemüthsbild influire unwillkührlich auf den Pinsel der Hand. Ist Nun ein solches Gemüthsbild oft sehr unrichtig, jedenfalls nur subjektiv, nicht selten von einem nur zufällig und vorübergehend in Miene und Haltung des zu Porträtirenden hervortretenden Zuge, ja häufig auch noch durch das eben so zufällige Wohl- oder lkebe!befinden, durch die eben so zufällige Stimmung oder Mißstimmung des Malenden bedingt, so begreife sich'- leicht, warum wir so manches Porträt finden, das man im allgemeinen nicht gerade mißlungen nennen kann, das aber dennoch etwas Frenidartiges, Unwahres enthält, das namentlich den mit der Persönlichkeit des Gemalten näher Vertrauten, seinen nächsten Freunden und Verwandteis, so widersteht, daß sie das Portrait entschieden verwerfen, weil eben der Maler einen zufälligen, vorübergehenden, und noch dazu nach subjektivem Eindruck wiedergegebenen Zug nun als stehenden Typus der Persönlichkeit hingemalt hat, der aber zu dem aus näherer Bekanntschaft wahreren Gemüthsbilde im Herzen der Freunde und Verwandten in schreiendem Widerspruch steht. Was nun unstrn taubstummen Freund betrifft, so wäre es wohl einer psychologischen Untersuchung Werth, ob der Eindruck eines Menschen auf das Gemüth eines Taubstummen nicht, von dem Gemüthsbilde in dem Innern eines Vollsinntgen wesentlich verschieden und dadurch folgerichtig den von. Taubstummen gemalten Portraits immer etwas Fremdartiges inwohnen werde — So wett mein palettkundiger Freund.